Der Pflegeprozess – ein Begriff, der dir sicher schon oft begegnet ist. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Stell dir vor, du baust ein Haus.
Wie fängt man an? Bastelst du einfach ein paar Steine, Holzbretter und Ziegel zusammen und hoffst, dass alles hält? Nein, man braucht einen Plan, muss die eigenen Materialien und Fähigkeiten überprüfen, und ständig kontrollieren, ob auch alles richtig passt.
In deinem Job ist das nicht anders und du solltest nicht einfach so drauflos pflegen. Die richtige Struktur bietet dir dafür das Pflegeprozessmodell von Fiechter und Meier. In diesem Video lernst du alles, was du brauchst, damit auch du deine Maßnahmen in deinem Beruf richtig planen und anwenden kannst.
Das Besondere an diesem Modell ist, dass es den Pflegeprozess als Regelkreis darstellt - und zwar aus sechs Schritten. Das bedeutet: Die Schritte sind aufeinander aufbauend und werden wiederholt durchlaufen, um den Pflegebedarf optimal anzupassen. Dadurch kannst du flexibel und zielgerichtet auf die Bedürfnisse deiner Patientinnen und Patienten eingehen.
Der erste Schritt im Pflegeprozess ist die Informationssammlung. Hierbei werden alle relevanten Daten gesammelt, die für die Pflege notwendig sind. Diese Informationen stammen aus verschiedenen Quellen – etwa aus Gesprächen mit der Person selbst, aus Beobachtungen, durch Austausch mit Angehörigen und anderen Pflegefachpersonen oder mithilfe von Messinstrumenten und Assessmentbögen.
So ergeben sich verschiedene Arten von Informationen, die du sammelst: Direkte Informationen erhältst du persönlich von den Patienten oder Patientinnen oder durch eigene Beobachtung. Indirekte Informationen hingegen stammen von Angehörigen oder auch aus medizinischen Berichten. Dabei unterscheiden sich objektive Daten - also messbare Fakten wie Temperatur oder Blutdruck-, und subjektive Daten.
Diese betreffen individuelle Empfindungen, wie zum Beispiel Schmerzen und Schlafqualität. Im zweiten Schritt des Modells geht es darum, Pflegeprobleme und Ressourcen zu erkennen. Pflegeprobleme sind Hindernisse, die die Selbstständigkeit und den Heilungsprozess der Pflegeempfängerinnen und -empfänger beeinträchtigen – etwa eingeschränkte Mobilität oder Kommunikationsstörungen.
Auch mögliche Risiken wie eine erhöhte Dekubitusgefahr zählen dazu. Pflegeprobleme lassen sich daher weiter unterteilen: Aktuelle Probleme erfordern sofortige Maßnahmen, potenzielle Probleme könnten sich zukünftig entwickeln, und versteckte Probleme sind oft nur indirekt zu erkennen. Gleichzeitig sollten man auch auf Ressourcen achten – das sind sozusagen die Stärken und Fähigkeiten einer Person, die bei der Problembewältigung helfen.
Ressourcen können körperliche Fähigkeiten sein, aber auch persönliche Eigenschaften wie ein starkes Selbstbewusstsein oder ein stabiles Familienumfeld. Jede noch so schwerkranke Person hat Ressourcen! Diese sollten genauso dokumentiert werden, wie die Pflegeprobleme.
Übrigens: Um ein Pflegeproblem genau beschreiben zu können, hilft dir das sogenannte P Ä S R-Schema. Diese Abkürzung steht für: Problemformulierung oder Pflegediagnosetitel - eine präzise Beschreibung der aktuellen Einschränkung Ätiologien - mögliche Auslöser für die Reaktion einer Person auf ein Gesundheitsproblem Symptome - bestimmende Merkmale, die das Problem bestätigen Und zuletzt: Ressourcen - die Fähigkeiten der Pflegebedürftigen Im dritten Schritt legst du die Pflegeziele fest. Diese dienen als Leitfaden für den Pflegeprozess und helfen dir, den gewünschten Zustand der zu pflegenden Person klar zu definieren.
Sie stehen immer im direkten Zusammenhang mit den aktuellen Problemen und Bedürfnissen der zu pflegenden Person. Es gibt kurzfristige Nahziele, die innerhalb weniger Tage erreicht werden können, und langfristige Fernziele, die über Monate hinweg im Fokus stehen. Hast du im Vorfeld potenzielle Probleme erkannt, wie zum Beispiel eine Thrombosegefahr, kannst du zur Vermeidung des Problems ebenfalls Ziele festlegen.
Damit Pflegeziele wirklich Sinn ergeben, sollten sie den sogenannten SMART-Kriterien entsprechen. Ein gutes Ziel ist spezifisch und auf die Person abgestimmt, messbar, akzeptiert von den Erkrankten, realistisch erreichbar und hat eine klare Zeitvorgabe - also terminiert. Zum Beispiel könnte ein Ziel lauten: “Patient soll bis nächsten Freitag zum Essen selbstständig an den Tisch gehen können.
” Diese präzise und positive Formulierung hilft den Fortschritt später genau überprüfen zu können. Nachdem du die Ziele festgelegt hast, geht es im vierten Schritt darum, die Pflegemaßnahmen zu planen. In der Pflegeplanung musst du also präzise Maßnahmen zu deinen Zielen definieren: Was soll getan werden, wer soll es tun, wann und wie oft soll es geschehen, und wo ist die Durchführung notwendig?
Nehmen wir als Beispiel eine geplante Mobilisation von Herrn Bergmann: Die Pflegefachperson unterstützt und leitet Herrn Bergmann zu jeder Mahlzeit bei Geh-übungen an, indem sie ihn vom Bett zum Esstisch begleitet. Diese klaren Anweisungen gewährleisten, dass alle im Team auf einem einheitlichen Stand sind. Schreibe also all deine geplanten Maßnahmen nach diesem Schema auf.
So kannst du nichts vergessen und alle in deinem Team wissen auch, was zu tun ist. Dein Plan steht? Jetzt kommt der praktische Teil: Die Maßnahmen werden entsprechend der Planung umgesetzt.
Dies kann je nach Pflegebedarf variieren, wie etwa die Mobilitätsförderung, Medikamentengabe, das Unterstützen bei der Körperpflege und vieles mehr. Wenn der Pflegeplan nicht einheitlich umgesetzt wird oder es Verständnisprobleme im Team gibt, ist ein offener Austausch wichtig, um alle Pflegenden auf den gleichen Stand zu bringen. Woher weiß man nun, ob deine Maßnahmen wirklich wirksam waren?
Dafür ist der letzte Schritt da: die Evaluation. Hier bewertest du die Wirksamkeit der durchgeführten Pflege und überprüfst, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Durch die Evaluation kannst du sicherstellen, dass der Pflegeprozess kontinuierlich an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst wird.
Falls ein Ziel nicht erreicht wurde, stellt man folgende Fragen: War das Ziel realistisch? Waren alle Informationen vollständig? Musste der Pflegeplan angepasst werden?
Gibt es unerkannte Probleme oder auch ungenutzte Ressourcen? Manchmal müssen Ziele neu formuliert oder Maßnahmen geändert werden, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Pflegeprozess ist flexibel und erlaubt dir, stets auf Veränderungen zu reagieren.
Nach der Evaluation beginnt der Kreislauf von vorne, bis ein Pflegeziel erreicht wurde. Jetzt weißt du, wie das 6 Stufen Modell von Fiechter und Meier durchgeführt wird. Durch die klare und flexible Struktur unterstützt es dich dabei, mit den einzelnen Schritten und deren Bedeutung vertraut zu werden.
Von der Informationssammlung bis zur Evaluation kannst du durch das Modell sicherstellen, dass du individuell auf die Bedürfnisse deiner Patientinnen und Patienten eingehst. Aber denke immer daran: Der Pflegeprozess ist kein starres System, sondern ein flexibler Regelkreis, der auf die individuelle Situation abgestimmt wird. Nutze das Modell, um den Pflegeprozess Schritt für Schritt erfolgreich zu gestalten und eine qualitativ hochwertige Pflege zu gewährleisten.
Und noch ein Tipp: Wenn du wissen möchtest, für welche Lebensbereiche du Maßnahmen formulieren kannst, schau dir unser Video zum ABEDL-Modell an.