Mit Behinderung auf die Piste? Wie realistisch ist Ski-Urlaub für Menschen, die einen Rollstuhl nutzen? Was müssen Ski-Gebiete bieten, damit sie barrierefrei sind?
Um das herauszufinden, haben wir einen Mono-Ski-Fahrer in die Alpen begleitet. Ein Rückenmark lässt sich nicht ausbeulen, das bleibt kaputt. Da muss man sehen, dass man dann so viel Aktivität mit der Restmuskulatur, mit dem Restkörper hinkriegt.
Ich will mal so sagen: Das Leben nach so 'nem Unfall ist ein anderes, aber kein schlechteres. Thomas Grundmann liebt die Berge, den Schnee und den Wintersport. Seit 2022 fährt er Mono-Ski.
Im Alltag nutzt er einen Rollstuhl. Nach einem Tauchunfall im Jahr 2008 ist ein Teil seines Körpers gelähmt. Ich war ja früher begeisterter Ski-Läufer und Snowboard-Fahrer.
Nach dem Unfall ging gar nichts mehr. Ich hab dann angefangen mit Ski-Bobfahren viele Jahre, aber die … dafür brauchst du Beinkraft, und die hatte ich … die wurde immer schlechter bei mir. Und dann bin ich aufs Mono-Ski-Fahren irgendwie umgestiegen, und das ist wirklich also absolut genial.
Ich kann mit allen Fahrgeräten fahren, mit Liften, Schleppern, Ziehgeräten und so weiter, und komme mittlerweile auch fast alle Pisten runter – bis auf die schwarzen natürlich, das geht noch nicht. Das Gletscher-Ski-Gebiet Kaunertal im Osten Tirols in Österreich. Es gilt als Musterregion für Barrierefreiheit.
Wenn Thomas Grundmann in den Winterurlaub fährt, dann hierher – schon seit mehreren Jahren. Perfekt! Es ist schon ungewöhnlich, weil so eine … solche Möglichkeiten für behinderte Ski-Fahrer gibt's, glaube ich, nirgendwo in Österreich – dass die Gondelfahrer dich reinziehen, reinschieben, dass da Teppiche ausgebreitet werden und so, dass sie auch wissen beim Sessellift, dass sie kurz mal anhalten, dass du nicht runterfällst oder so.
Die sind schon wirklich supergut drauf hier. Das ist einmalig. Thomas Grundmann genießt hier seine Freiheit und Unabhängigkeit am Berg.
Welche Voraussetzungen muss ein Ski-Gebiet erfüllen, damit Mono-Ski-Fahrer hier zurechtkommen? Neben gut präparierten Pisten sind auch die Liftanlagen entscheidend. Unser Personal, die haben tagtäglich mit den Mono-Ski-Fahrern zu tun.
Und bei uns ist es dann, man merkt richtig: Also, wir schulen die nicht explizit, sondern es braucht doch auch jeder Mono-Ski-Fahrer anders Hilfe. Der eine kann sich besser fortbewegen, der andere weniger und bei uns ist es einfach „Learning by Doing“, sag ich jetzt mal so. Und sie reden ganz viel mit den Mono-Ski-Fahrern und fragen: „Kann ich dir helfen?
“ Genau, und das ist halt eine Kommunikation. Mono-Ski-Fahrer können hier das gesamte Ski-Gebiet nutzen, bis auf eine Höhe von mehr als 3000 Metern. Wir haben hier spezielle Kunststoffmatten ausgelegt und da können einfach die Mono-Ski-Fahrer besser gleiten wie auf herkömmlichen Gummimatten.
Das hört man da schon – da kann man einfach besser drübergleiten. Im Kaunertal bekommen Begleitpersonen den gleichen, ermäßigten Tarif wie Menschen mit Behinderung. Thomas Grundmann hat sich entschieden, für den Beginn seines Urlaubs nochmal einen guten Bekannten aus Österreich um etwas Hilfe auf der Piste zu bitten.
Robert Troppacher ist auch Mono-Ski-Fahrer. Jawohl, lass ihn wirken, den Ski. Leg um und geh drauf.
Langziehen, drauf, drauf, drauf, drauf! Schau auf die Position! Geh ein bissl vor, steig drauf und halt die Position!
Gut. Er hat gute Rumpf-Funktionen und er hat keine Angst und er ist motiviert. Also er macht es richtig gut.
Nicht zu nahe rangehen. Dann hast mehr Aufkantwinkel, kannst besser reagieren drauf. So ist gut, viel besser.
Das Kaunertal ist sicher ganz was Besonderes, weil sie sind praktisch die Vorreiter. Das geht hierinnen schon seit 25, 30 Jahren fast mit den Rollstuhlfahrern, mit barrierefrei. Aber es hat sich die letzten 20 Jahre brutal gebessert, also ganz Österreich.
Thomas Grundmann kommt aus Deutschland, aus Hamburg. Dort arbeitet der 65-Jährige als Chirurg in einer großen Klinik. Seine Lebenspartnerin Nadine Witt hat er 2021 kennengelernt.
Nadine Witt führt auf der Ostsee-Insel Fehmarn einen Verein zur Förderung von Mobilität und Vielfalt. Für ihre 900-Kilometer-Reise aus dem Norden Deutschlands haben die beiden mit dem Auto rund zehn Stunden gebraucht. Ich denke, dass viele Menschen gar nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt.
Und unser, ja, Sinn steckt auch dahinter, den Leuten zu zeigen, was geht. Geht nicht, gibt's nicht. Und wir möchten einfach zeigen, was für Möglichkeiten es so gibt, weil jeder Mensch hat das Recht auf Bewegung und das wollen wir fördern.
Barrierefreiheit in den Bergen – das Kaunertal ist bis heute ein Musterbeispiel.