Stillgestanden, hier kommt der Apell zu unserem Video des 18. Jahrhunderts. Dass ich euch so komisch begrüße hat einen bestimmten Grund, denn das 18.
Jahrhundert ist stark geprägt von den Preußen und der Aspekt den wir uns aus dieser Zeit herausgreifen sind die deutschen Tugenden, also das was so gemeinhin als „typisch deutsch“ bezeichnet wird. Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß oder ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein sind nämlich ursprünglich preußische Tugenden. Wie es dazu kam, erfahrt ihr in diesem Video und auch, wie es zur Schulpflicht kommt und warum wir Kartoffeln lieben.
Das Preußen des 18. Jahrhunderts ist besonders stark von den folgenden Männern geprägt. Friedrich Wilhelm I.
Er lebt von 1688 bis 1740. Und Friedrich II, der von 1712 bis 1786 lebt. Sie sind Vater und Sohn, stammen aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern und regieren nacheinander als Könige.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Friedrich Wilhelm für vieles den Grundstein legt und Friedrich II. es ausbaut und fortführt. Als Friedrich Wilhelm I.
Preußen 1713 übernimmt, ist es noch relativ klein und spielt im Gefüge von Europa keine große Rolle. Die Big Player sozusagen sind zu dieser Zeit Frankreich, Österreich, Großbritannien und Russland. Deutschland gibt es ja noch nicht.
Stattdessen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Das besteht aus vielen Territorien und Herrschaftsgebieten, darunter auch Preußen. Friedrich Wilhelm will jetzt sein Preußen zu einer Großmacht ausbauen.
Das ist sein großes Ziel, dem er alles unterordnet. Wie macht er das? Schaut man sich an den Adelshöfen in Europa um, lässt sich schnell erkennen: Hier regiert der Pomp!
Man ist süchtig nach Prunk! Zu Beginn des 18. Jahrhunderts tut der Adel alles um zu zeigen was er hat.
Prachtbauten werden errichtet, zu den zahlreichen Festen werden die neuesten Kleider getragen und auf Banketten genießen die Herrschenden Köstlichkeiten im Überfluss. Das Maß aller Dinge ist zu dieser Zeit, und das wisst ihr wahrscheinlich, Frankreich mit Ludwig XIV, bekannt als der Sonnenkönig. Für Friedrich Wilhelm ist diese Verschwendung für Schnickschnack und Künste rein gar nichts.
Für den Preußen muss alles einen Nutzen haben. Friedrich Wilhelm ist Pragmatiker und verlangt von sich und seinen Untertanen Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit und Sparsamkeit. Sogar so sehr, dass er es seinen Untergebenen teilweise einprügeln lässt.
Diese kaltherzige Seite bekommt auch sein Sohn, Friedrich II. , ab der ersten Sekunde zu spüren. Eure Majestät!
Der Kronprinz. Schön, nennen wir ihn Friedrich. Damit er nach dem Vater kommt.
Bringe er ihn wieder, wenn er exerzieren kann. Die große Leidenschaft von Friedrich Wilhelm ist das Militär. Viele der preußischen Tugenden und somit auch deutschen haben hier ihren Ursprung.
Wo waren wir stehengeblieben? Geladen, eure Majestät. Nachdem er die Staatsfinanzen durchstrukturiert hat gibt er jede Menge des Staatshaushaltes für seine Armee aus und verdoppelt sie von 40.
000 auf 80. 000 Mann. Ganz besonders angetan ist Friedrich Wilhelm von großen Soldaten, den sogenannten „Langen Kerls“.
Diese lässt er nicht nur in Preußen, sondern sogar international rekrutieren. Die „Langen Kerls“ waren das Leibregiment Friedrich Wilhelms. Ein Soldat in diesem Regiment musste mindestens sechs Fuß, also gut 1,90 Meter messen.
Ihre Größe soll beim Laden der Gewehre nützlich sein und sie dadurch effektiver im Kampf machen. Und auch ein berühmtes Zimmer wird gegen die langen Kerls getauscht: Als der russische Zar Peter 1716 Friedrich Wilhelm besucht, ist dieser vom heute berühmten Bernsteinzimmer beeindruckt. Friedrich Wilhelm dagegen ist vom Zimmer, welches sein Vorgänger Friedrich I.
fertigen ließ, wenig angetan. Kurzerhand schenkt er es dem Zaren und bekommt aus Dank 248 lange Kerls aus der russischen Armee. Tatsächlich macht der Soldatenkönig, wie Friedrich Wilhelm genannt wird, nur einmal Gebrauch von seiner Armee.
Sonst dient sie der Abschreckung. Mit der neugewonnen militärischen Größe, hält er sich die anderen Staaten vom Laib und kann sich ganz auf seine Innenpolitik konzentrieren. Trotzdem erwartet der preußische König höchste Disziplin von seinen Soldaten.
So etwas kennt man ja noch von heutigen Armeen z. B. Befehle befolgen, Ordnung in der Stube halten oder pünktlichst bei Übungen erscheinen.
Im 18. Jahrhundert ist es nicht anders. Und weil Friedrich Wilhelm als Herrscher und Vorbild eine so große Leidenschaft für das Militär hat, schaut sich die Bevölkerung recht schnell einiges von den Soldaten ab.
Man übernimmt die Tugenden für seinen Alltag. Und das war Friedrich Wilhelm nur recht, denn er will, dass jeder seiner Untertanen fleißig arbeitet und seinen Teil dazu beiträgt damit der Staat ausgebaut werden kann. Im preußischen Staat gilt das Individuum wenig.
Künste und Wissenschaften, die sich nicht um Finanzen und Militär drehen, sind unwichtig. Da wird gespart. Auch das wiederum muss Friedrich II.
früh erfahren. Zeit seines Lebens liebt er das Flötenspiel. Eine Leidenschaft für die sein Vater überhaupt kein Verständnis hat.
Nichtsnutz, Elendiger! Effeminiertes Kerlchen! Lerne er reiten und schießen!
Keine Besserung in Sicht, in nichts. Ein Prinz duckt sich nicht. Ich werde Sie Flöte lehren.
Obwohl Friedrich Wilhelm ein Choleriker ist und unbeliebt beim Volk, kümmert er sich auch um das Wohlergehen seiner Untertanen. Er lässt Kirchen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Schulen erbauen. Alles finanziert durch höhere Steuern und Sparsamkeit, angefangen bei ihm selbst bis zum einfachsten Bauern.
Das spiegelt auch sein Speiseplan wieder. Einfach und fettig; Weißkohl, Eier, Erbsen und Speck. Mit dem Bau neuer Schulen sollen immer mehr Kinder, egal aus welcher Bevölkerungsschicht, Bildung erhalten.
Daher wird 1717 ein Generaledikt erlassen. Ein erster Versuch eine Bildungspflicht durchzusetzen. Friedrich Wilhelm erhofft sich, dass Bildung und Frömmigkeit ein gutes Volk formen.
Aber zu Beginn des 18. Jahrhunderts fehlt es noch oft an ausgebildeten Lehrern, viele Eltern können nicht bei der täglichen Arbeit auf ihre Kinder verzichten, indem sie sie zur Schule schicken. So viele Änderungen, wie ein größeres Heer, Ausbau der Städte und das neue Schulwesen müssen natürlich verwaltet werden.
Unter den Preußen kommt es zu einem BOOM des Beamtentums. Viele neue Behörden und Verwaltungen werden geschaffen. Und diese müssen natürlich dem König berichten, wie es im Land läuft.
Damit in den Behörden alles funktioniert wird auch hier penibel auf die preußischen Tugenden geachtet. Darunter zählt dann neben Ordnung und Fleiß auch besonders die Unbestechlichkeit. 1740 stirbt Friedrich Wilhelm I.
Im Grunde lässt sich sagen, dass er das kleine unbedeutende Preußen wirtschaftlich vorangetrieben hat. Aber zur europäische Großmacht hat er es nicht machen können. Das schafft erst sein Sohn, Friedrich II.
Mit 28 Jahren wird er König und ist direkt, im Gegensatz zu seinem Vater, Zeit seines Lebens beim Volk beliebt. Wie macht Friedrich das? Naja er regiert deutlich humaner und sozialer als sein Vater.
Friedrich schafft die Folter ab, lockert die Zensur auf und fördert so die Meinungsfreiheit und er macht Getreide fürs Volk erschwinglicher. Zusätzlich baut Friedrich den Beamtenapparat und das Schulsystem immer weiter aus. 1763 verordnet er das Generallandschulreglement.
Damit tritt eine Schulpflicht für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren in Kraft. Den Schülern wird das Christentum und Basics, wie Lesen, Schreiben und einfache Mathematik beigebracht. Und schließlich fördert er noch die Künste, denn er ist selbst leidenschaftlicher Musiker und philosophiert gerne in abendlicher Runde beim Essen.
Und apropos Essen. Er sorgt auch für die Verbreitung der Kartoffel. Die ist zwar schon vor ihm in Preußen bekannt, aber wird nur selten angebaut.
Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Da aber wegen schlechter Ernte eine Hungersnot droht und Friedrich die Kartoffel als nahrhaft für Tier und Mensch ansieht und sie zusätzlich leicht anzubauen ist gibt er den sogenannten Kartoffelbefehl. Friedrichs Beamte haben jetzt die Aufgabe die Kartoffel unters Volk zu bringen.
Eine Anekdote besagt, man weiß nicht ob das wirklich so passiert ist, dass man Kartoffelfelder anfangs von Soldaten bewachen ließ. Das macht die Bauern natürlich neugierig. Sie wollen wissen was ist da los.
Schließlich muss es sich um etwas richtig Wertvolles handeln, wenn der König schon seine Soldaten dafür einsetzt, um die Felder zu bewachen. In der Nacht, sollen die Wachen dann nicht so genau hinschauen und den Bauern die Chance geben einige der Kartoffeln zu klauen. Und genau auf diese Art und Weise soll sich die Kartoffel dann in Preußen verbreitet haben und mit dem richtigen Rezept schmeckt sie auch allen.
Schön sämig. Hmm, Stampfkartoffeln. Nun gut, und sei es aus Staatsräson, le cuisinier suis moi, der Koch in Preußen, das bin ich.
Tja und dann macht er noch das, was sich sein Vater nie wirklich getraut hat oder wozu er zu geizig war. Friedrich führt Krieg. Und das nicht zu knapp.
So ist er wie praktisch jeder in Europa in den Siebenjährigen Krieg verwickelt. Da die Monarchien auch ihre Kolonien mithineinziehen, beschränken sich die Schlachten allerdings nicht nur auf die Grenzen Europas, sondern werden auch in Indien, Nordamerika oder der Karibik ausgetragen. Am Ende geht Preußen als fünfte europäische Großmacht aus dieser Art, ja kann man schon sagen, Weltkrieg hervor.
Und tja auch wenn er nicht gerne Krieg führt, wie er von sich selbst behauptet, ist Friedrich sehr erfolgreich und schafft es damit das Gebiet von Preußen zu vergrößern. Zu diesem Zeitpunkt trägt Friedrich schon den Beinamen „der Große“, denn im Vergleich zu den anderen Herrschern Europas, kämpft er aktiv mit seinen Truppen auf dem Schlachtfeld. Das macht ihn nicht nur beim eigenen Volk noch beliebter, sondern entspricht auch seinem Selbstempfinden.
Als Herrscher sieht er sich selbst als ersten Diener des Staates. Und als pflichtbewusster Preuße kämpft man daher zusammen mit seinen Soldaten. Mit dieser Auffassung, dem Staat zu dienen, hebt sich Friedrich von den anderen Monarchen Europas ab und ja die preußischen Tugenden, die sich in vielen Bereichen des Lebens und Staates wiederfinden lassen, werden immer populärer.
Der alte Fritz, wie er später von seinen Untertanen genannt wird, liebevoll genannt wird muss man sagen, hat während und nach seinem Leben viele Bewunderer und geht als Lichtgestalt in die Geschichte ein. Auch wenn Preußen nach ihm Höhen und Tiefen erlebt, behält es lange Zeit seine Vormachtstellung bis die Nationalsozialisten dann an die Macht kommen. In ihrem militärischen Staat bedienen sie sich gerne an den schillernden Preußen und missbrauchen die immer noch gegenwärtigen Tugenden um das Volk leichter zu beeinflussen.
Diese deutschen Tugenden werden damals wie heute noch benutzt um uns als Volk zu beschreiben. Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung - die preußischen Tugenden gelten heute noch als typisch deutsch. Mich würde mal interessieren: Was meint ihr denn?
Ist das alles nur ein Klischee und die Tugenden sind gar nicht mehr so wirklich aktuell oder trifft das heute noch zu? Gerade im Austausch mit anderen Ländern. Schreibst gerne unten in die Kommentare.
Bin gespannt was ihr darüber denkt. Und mehr über Friedrich den Großen findet ihr hier oben auf dem „i“ und neben mir hier die Videos zum 16. und 17.
Jahrhundert. Schaut da auch gerne mal rein. Danke dafür, danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.