Es war ein blutiger Machtkampf, mitten in Europa: der Nordirland-Konflikt. Fast 20 Jahre lang beherrschte er die nordirische Politik, bis es 1998 in einem Waffenstillstand endete. Aber jetzt mit dem Thema Brexit kochte auch das Thema Nordirland immer wieder auf.
Erinnerungen werden wach an Anschläge der (englisch:) IRA, hierzulande eher geläufig unter (deutsch:) IRA. Es stellte sich heraus, dass auch nach über 20 Jahren Waffenstillstand eben längst noch kein Frieden herrscht. Der Nordirland-Konflikt schwelt weiter.
Und es sieht nicht so aus, als würde er schnell gelöst werden. Um diesen Konflikt zu verstehen, müssen wir in die Geschichte zurückschauen. (Rattern, Klingeln) Nationalitätenkonflikte oder Konflikte zwischen Minderheiten und Mehrheiten gibt's in Europa immer wieder - auch heute noch.
Erinnert ihr euch an die Konflikte um die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien? Dazu findet ihr hier oben ein Video. Im letzten Jahr demonstrierten Hunderttausende auf den Straßen für ein unabhängiges Katalonien.
Europa mit seinen Nationalstaaten, mit seinen vielen Minderheiten. Mit den Folgen der Kriege, die in Jahrhunderten die Grenzen hin und her verschoben haben. Mit all dem Schlimmen, das sich die europäischen Völker gegenseitig angetan haben.
Da liegen leider viele unbewältigte Konflikte unter der Oberfläche. Die brodeln immer mal wieder. Der Nordirland-Konflikt zählt zu den besonders langwierigen und besonders blutigen.
Eine Vorbemerkung muss ich da noch machen: In so einem Video muss man natürlich verkürzen. Mir ist klar, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Ich werde den Nordirland-Konflikt als Konflikt von zwei Gruppen darstellen.
Das ist auch richtig. Trotzdem ist es genauso richtig, dass es natürlich immer auch andere gibt. Moderate auf beiden Seiten, die teils durch das Handeln radikaler Kräfte zu der einen oder anderen Politik gezwungen werden.
Das bitte im Hinterkopf behalten. Jetzt zuerst aber einmal die Lage. Irland ist eine Insel im Atlantik.
Auf dieser Insel befinden sich heute zwei Staaten: einmal die Republik Irland und andererseits Nordirland. Dieses Land ist ein Teil des Vereinigten Königreichs, das offiziell deshalb auch als Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland bezeichnet wird. Irland und Nordirland sind erst seit 100 Jahren getrennt.
In Nordirland leben fast zwei Millionen Einwohner, in der Republik Irland um die 4,9 Millionen. Während der Süden katholisch geprägt ist, verteilen sich im Norden die Anhänger der katholischen sowie der protestantischen Kirche zahlenmäßig etwa gleich. Aber es gibt Gebiete, in denen die Katholiken die Mehrheit stellen.
Andere, in denen die Protestanten die Mehrheit bilden. Das ist auch einer der Streitpunkte auf der irischen Insel. Über den Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken und die Frage, wer auf der Insel das Sagen hat, wird seit Jahrhunderten gestritten.
Früher befürchten die englischen Könige, dass über Irland ein Angriff auf England erfolgen könnte. Daher wollen sie die Insel unter ihre Kontrolle bringen. Wohl auch, weil sie gern über so viel Land und Leute herrschen wie möglich.
Aber das ist sehr schwierig, denn die Iren wollen sich natürlich nicht erobern lassen. Vor fast 500 Jahren erklärt sich Heinrich VIII. - das ist der mit den vielen Ehefrauen - zum König von Irland.
Die Briten haben die Insel schon seit dem Mittelalter besiedelt, vor allem an der Ostküste. Gegen Heinrichs Vorstoß wehrt sich der irische Adel. Besonders im Norden der Insel ist der Widerstand stark.
In den kommenden Jahrzehnten werden immer wieder Kriege geführt. Die Iren wehren sich mit einer Guerillataktik, aber sie sind dem englischen Heer letztendlich unterlegen. Auch wenn dieses Heer keinen echten Sieg erzielen kann.
Im 17. Jahrhundert ändert das englische Königshaus die Taktik. Es werden englische und schottische Siedler nach Irland gelockt, vor allem in den Norden in die Region Ulster.
In der damaligen Zeit toben in Europa die großen Glaubenskriege. Mit den neuen Siedlern geht es auch in Irland um Katholiken und Protestanten. Letztere, die Protestanten, sind vor allem Anglikaner, also Angehörige der englischen Nationalkirche, oder Presbyterianer, also Angehörige der reformierten schottischen Kirche.
Die Katholiken, das sind vor allem die irische Bevölkerung. Die Protestanten sind die neuen Landbesitzer aus Schottland oder England sowie irische Adlige, die sich mit dem englischen Königshaus arrangieren. Ich hoffe, ihr seid gut mitgekommen.
Wenn nicht, ist es nicht verwunderlich, denn es ist ein verwirrendes Durcheinander an verschiedenen Konfessionen. Was bringt diese Siedlungspolitik? Letztendlich geht es London darum, den irischen Katholiken möglichst Land wegzunehmen.
Sodass sie nur noch als Abhängige für die neuen Herren schuften müssen. Oder aber um die Iren idealerweise gleich ganz zu vertreiben. Das ist der Grundkonflikt.
In Ulster gibt es zwei Bevölkerungsgruppen, die sich nach ihrer Herkunft und Religion unterscheiden. Beide beanspruchen das Land, in dem sie leben, für sich. Sie streiten darum, wer das Sagen hat und bestimmen darf.
Über die Jahrhunderte geht es zwischen den Gruppen hin und her. Nicht nur im Norden, sondern auch im Rest der Insel. Es ist schwierig, diesen Konflikt in nur zwei, drei Sätzen darzustellen.
Ihr müsst euch merken: Über die lange Zeit hinweg gibt es immer größere und kleinere Kriege oder Aufstände, ständige Grausamkeiten. Je nachdem, wer grade die besseren Karten hat, leidet die eine oder die andere Gruppe. Im Kern fühlen sich die Protestanten von den Katholiken bedroht und umgekehrt.
Um die jeweils andere Gruppe kleinzukriegen, ist den Konfliktparteien jedes Mittel recht. Anfang des 18. Jahrhunderts ist Irland endgültig erobert.
Irland wird 1800 schließlich mit Großbritannien vereint. Über die Jahre werden das britische Recht und System eingeführt. Die protestantischen Grundbesitzer bilden das irische Parlament, das zwar Gesetze erlassen kann, aber letztlich diese Gesetze vom Parlament in London bestätigen lassen muss.
Und das läuft dann so: Die Protestanten in Irland erlassen zum Beispiel Gesetze, die den Katholiken verbieten, Waffen zu tragen. Oder Kinder in die katholische Schule zu schicken. Es wird ihnen verboten, Pferde zu besitzen.
Und - das ist natürlich das Wichtigste für die Protestanten - es ist Katholiken verboten, Land zu kaufen. Wenn katholische Landbesitzer sterben, muss das Land unter ihren Söhnen aufgeteilt werden. Das ist klar: Damit werden die Katholiken systematisch in die Armut und totale Abhängigkeit getrieben.
Ganz hinterhältig, oder sagen wir besser perfide, ist die Regel, dass der älteste Sohn, wenn er Protestant wird, das gesamte Land erben darf. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehören die wirtschaftlich relevanten Landstriche fast ausschließlich etwa 5.
000 protestantischen Grundbesitzern. Die arme katholische Landbevölkerung erhebt sich immer wieder in Aufständen. Es gründen sich Organisationen, Geheimbünde, die die jeweils andere Bevölkerungsgruppe überfallen.
Mit der Französischen Revolution schwappen nationalistische Ideen nach Irland über. Bald stehen sich zwei Gruppen gegenüber: Die einen sind irisch, katholisch und nationalistisch. Sie wollen einen eigenen irischen Staat.
Die anderen sind die Protestanten englischer und schottischer Abstammung, die an der Verbindung der Union mit Großbritannien festhalten wollen. Die Nationalisten und die Unionisten. Diese zwei Gruppen vermuten von der jeweils anderen, dass sie sie ausrotten will und versucht, ihr zuvorzukommen.
Man kann es leider nicht anders sagen. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die große Hungersnot ausbricht, in deren Folge eine Million Menschen sterben und eine Million auswandern, erstarkt der Unabhängigkeitskampf gegen Großbritannien.
Schließlich wird Irland 1922 unabhängig. Allerdings bleiben sechs Grafschaften mit Großbritannien verbunden. Somit gibt es in Irland jetzt zwei Staaten: Irland, aus dem nach einem weiteren Bürgerkrieg 1949 die Republik Irland wird.
Und Nordirland, einem Teil der früheren historischen Region Ulster. In Nordirland stehen sich zwei Gruppen gegenüber: das katholische national-republikanische Lager, das eine Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Und das protestantisch-anglikanisch unionistische Lager, das darauf besteht, dass Nordirland Teil des Vereinigten Königreichs bleibt.
Die Bevölkerungsmehrheit in Nordirland stellen seit den 1950er-Jahren eben letztere Unionisten. Aber nach und nach ändert sich das. Die Katholiken werden mehr.
Fakt ist: Nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es erst eine stabile unionistische Mehrheit, die aber dann geringer wird. Heute herrscht praktisch Patt. Wenn eine Gruppe merkt, dass sie wächst, und die andere merkt, dass sie schrumpft, wird die eine Gruppe aggressiver, weil sie mehr und mehr fordert, weil sie sieht, dass sie mächtiger wird.
Die schrumpfende Gruppe wird in dem Fall auch aggressiver, weil sie fühlt, dass ihr die Felle davonschwimmen, und sie sich umso stärker gegen den Bedeutungsverlust stemmt. Ich denke, dass diese demografische Veränderung den Konflikt bei den Hardlinern auf beiden Seiten anheizt. Wenn man sich das anschaut, merkt man gleich, dass es hier nur vordergründig um Religion geht.
Im Hintergrund geht es - wie so oft - darum, wer die Macht hat. Wer über die Verteilung von Ressourcen und Reichtum bestimmt. Wer seine Traditionen bewahren kann.
Und wem es droht, seine Identität zu verlieren. Jede Seite definiert sich vor allem dadurch, dass sie gegen die andere ist. Die Unionisten haben nach dem Zweiten Weltkrieg erst mal die Mehrheit, und sie diskriminieren und unterdrücken die Nationalisten.
So wird das Wahlrecht etwa manipuliert, damit die unionistischen Protestanten die Mehrheit haben. Selbst wenn sie die Minderheit der Bevölkerung stellen. Ende der 1960er-Jahre bildet sich eine nationalistische Bürgerrechtsbewegung in Nordirland.
Gegen deren Demonstrationen gehen die Unionisten auf die Straße. Und Radikale beider Seiten überfallen gegnerische Demonstrationen. In Londonderry, das die Nationalisten nur Derry nennen, eskaliert die Lage 1972.
Aus einer Parade heraus kommt es zu einer tagelangen Straßenschlacht zwischen der Polizei und den Nationalisten, bei der Barrikaden gebaut und Benzinbomben geworfen werden. Die Gewalt springt über nach Belfast. Gekämpft wird mit Handgranaten und Maschinengewehren.
Die Regierung in London sendet Truppen der britischen Armee. Sie sollen die Lage beruhigen und die Lager trennen. Überall brechen Straßenschlachten aus.
Teils riegelt die Armee ganze Viertel mit Stacheldraht ab. Teils verbarrikadieren die Bewohner ihre Viertel selbst. Wer sich von der anderen Seite in diese Viertel wagt, riskiert sein Leben.
Bald schon stehen 300. 000 britische Soldaten im Land. Bei 1,5 Millionen Einwohnern!
Das Ereignis ist als "Blutsonntag" in die Geschichte eingegangen. Bands wie U2 und The Cranberries verarbeiten die Tage der Gewalt in Songs. Ihr kennt sicher Hits wie "Sunday Bloody Sunday" oder "Zombie".
(Musik: "Zombie" von The Cranberries) # In your head, in your head. # Zombie, zombie, zombie-ie-ie . .
. Seit den 1970er-Jahren führt die IRA einen terroristischen Feldzug gegen die autonome Region Nordirland. Die katholisch-nationalistische, provisorische irisch-republikanische Armee ist eine Abspaltung der IRA, der Irisch-Republikanischen Armee aus den 20er-Jahren.
Sie will einmal, so sagt sie, die eigene Bevölkerung, also die Katholiken, schützen. Aber sie will auch den Staat zerstören. Die IRA - ich sag weiterhin IRA, auch wenn's wie gesagt Abspaltungen und Flügel gibt - sind in Nordirland etwa 800 Menschen, die aktiv Terror gegen ihre Feinde betreiben.
Sie begeht Bombenanschläge, verübt Raubüberfälle, nimmt Geisel, erschießt gezielt Polizisten und Soldaten. Und wegen dieser Angriffe gehen die staatlichen Organe, die ja beide Seiten befrieden sollen, vor allem gegen die Katholiken vor. In den Gefängnissen wird sogar gefoltert.
Die IRA kämpft hartnäckig für einen vereinigten irischen Staat, ohne protestantische Unionisten und die Briten. Es sollen so viele britische Soldaten wie möglich getötet werden, damit die Regierung die Truppen abzieht. Es sollen so viele Geschäfte und Firmen zerstört werden wie möglich, damit die Unionisten ruiniert werden.
Dadurch soll die nordirische Regierung gezwungen werden, auch immer härter vorzugehen. So soll der Bürgerkrieg angeheizt werden. Abweichler aus den eigenen Reihen werden von der IRA ermordet.
Aber auch auf der Seite der Unionisten bilden sich paramilitärische Einheiten, die Katholiken überfallen. Die schlagen wiederum zurück und töten Protestanten. Es ist ein Teufelskreis!
Ich kann gar nicht all die Mordtaten, die zehntausenden Anschläge und Überfälle und alles Mögliche aufzählen. Es würde auch nicht helfen, um besser zu verstehen, was da vor sich ging. Ganz klar: ein brutaler Bürgerkrieg, in dem auch eine Atommacht mitmischt, nämlich eben Großbritannien.
Aber so ein paar Zahlen müssen sein. Durch den Konflikt sterben zwischen 1969 und 2001 mehr als 3. 600 Menschen.
47. 000 werden verwundet. Jeder fünfte Nordire muss in seinem unmittelbaren Umfeld Tote und Verletzte beklagen.
4. 600 Menschen werden aus ihren Heimen, aus ihren Straßen vertrieben. Man schätzt, dass 500.
000 Menschen mit psychischen Spätfolgen kämpfen. Um zu verhindern, dass sich die Stadtviertel, in denen Unionisten und Nationalisten leben, unkontrolliert einigeln, baut die nordirische Regierung sogenannte "Friedenslinien". Zuerst trennen Stacheldrahtzähne die Viertel, dann festere Bauten und sogar Mauern.
Allein in der Hauptstadt Belfast sollen 21 Kilometer dieser Friedenslinien stehen. Immerhin halb so lang wie die Mauer, die West- und Ostberlin trennte. Einige Mauerabschnitte sind wie in Berlin bemalt, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Linien heute noch echte Trennmauern sind und keine Touristenattraktion.
Dabei gibt es seit dem Jahr 1988 Hoffnung. Mitten im Terrorkrieg fangen zwei Männer an, miteinander über den Frieden zu sprechen: John Hume von der Social Democratic and Labour Party und Gerry Adams von Sinn Féin. Das ist die Partei der nationalistisch-katholischen Kräfte, die auch mit der IRA verbunden ist.
Beide Parteien wollen eine Vereinigung der beiden Staaten in Irland und sind somit politische Konkurrenten. Bald werden in diese geheimen Gespräche auch die britische und die irische Regierung einbezogen. Später gibt es dann offizielle Verhandlungen, an denen auch die Parteien der Unionisten teilnehmen.
Die Voraussetzung für die Verhandlungen ist, dass sich die IRA einer Waffenruhe unterwirft. Und tatsächlich gelingt, was niemand für möglich gehalten hätte. Der Friedensprozess klappt!
Am 10. April 1998 wird das Karfreitagsabkommen geschlossen. Darin wird geregelt, wie man mit den zwei Staaten auf der Insel Irland umgeht.
Wie man Konflikte löst. Dass sich die britische Armee zurückzieht, zumindest teilweise. Dass die Untergrundkämpfer ihre Waffen niederlegen.
Wie man mit einer möglichen Wiedervereinigung der Insel umgeht. Und: dass die Bürger Nordirlands auch den irischen Pass bekommen können. Die Kompromisse fallen manchem schwer, aber jede Seite muss Zugeständnisse machen.
Ein wichtiger Faktor dabei ist sicher, dass sowohl Nordirland als Mitglied des Vereinigten Königreichs als auch die Republik Irland Mitglieder der Europäischen Union sind. Auf einer Insel und doch in zwei Staaten zu leben, das wird so denkbar und tatsächlich auch gelebt. John Hume, der Vorsitzende der Social Democratic and Labour Party, und David Trimble von der Ulster Unionist Party werden im Jahr 1998 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Der Prozess ist nicht leicht, immer wieder gibt es Rückschläge, aber letztendlich kommt das Abkommen zustande und hält. Aber trotzdem wird - aus unserer Sicht - plötzlich wieder über den Nordirland-Konflikt gesprochen. Mit dem Brexit steht das Friedenswerk auf dem Spiel.
Nordirland ist ebenso gespalten wie der Rest des Landes. Insgesamt sind 56 Prozent der Nordiren beim Brexit-Referendum 2016 gegen einen Brexit. Aber die Unionisten stimmen dafür.
Die Spaltung besteht immer noch. Wie sich in den letzten zehn bis 15 Jahren in den beiden Lagern die radikalen Kräfte immer mehr durchsetzen. Ein Grund ist sicher die Angst der radikalen Unionisten, dass die demografische Entwicklung gegen sie arbeitet.
Die Katholiken werden mehr, die Protestanten weniger. Zum anderen ist in den Bürgerkriegsjahren sehr viel Hass gesät worden, der einfach nicht so schnell vergehen will. Heute, wo die Regierung die Mauern zwischen den Vierteln, zwischen den Konfessionen eigentlich abbauen will, möchte viele Einwohner der getrennten Städte daran festhalten.
Die Mauern geben offenbar immer noch ein Gefühl der Sicherheit. Und viele werden nachts immer noch abgeschlossen, damit niemand aus dem einen Viertel auf die Idee kommt, Menschen im anderen Viertel zu überfallen. Und noch immer werden Menschen aus ihren angestammten Vierteln mit mehr oder weniger Gewalt vertrieben, damit die Nachbarschaft religiös-politisch gesäubert wird.
Die Angst ist jetzt, dass eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland eingerichtet wird. Der aktuelle Plan zwischen London und der EU sieht vor, eine Zollgrenze in der Irischen See, also zwischen Großbritannien und Nordirland, einzurichten. Die Verhandlungen über die endgültigen Regeln laufen noch.
Aber warum sollte eigentlich die Konfrontation wiederkehren? Wie sie Pessimisten befürchten. Es gibt Menschen, die Grenzposten als Provokation betrachten könnten.
Wenn sich das katholisch gewordene Nordirland in einer Volksabstimmung mit der Republik Irland vereinen würde, dann wären aus Sicht einiger Protestanten Jahrhunderte der Kämpfe umsonst gewesen. Und umgekehrt könnten Katholiken in der Grenze den Versuch erkennen, dass Nordirland vom restlichen Irland, wie sie sagen, widernatürlich abgeschnitten wird. Auf jeden Fall wird es jetzt sehr viel schwieriger werden, die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte aufzuarbeiten.
Egal ob Polizei oder paramilitärische Einheiten - beide müssen für Rechtsbrüche zur Verantwortung gezogen werden. Die Opfer dagegen müssen entschädigt werden. Und letztendlich müssen auch die Märsche und Traditionsumzüge der radikalen Kräfte beendet werden.
Sie sind nämlich eine regelmäßige Provokation. Die Politiker, die jetzt an der Macht sind, haben wahrscheinlich als Kinder den Konflikt eingeimpft bekommen. Auch sie müssen Kompromissfähigkeit lernen.
Ich würde gerne wissen, ob ihr euch vor dem Brexit schon mal mit dem Nordirland-Konflikt beschäftigt habt. Wenn ja, wie ihr das seht. Wie soll eine Lösung aussehen, was die Grenze ohne Brexit angeht?
Kann's eine Lösung geben, die allen passt? Weil viele von euch sich dieses Thema gewünscht haben, denk ich, dass ihr eine Meinung zu habt. Schreibt gerne in die Kommentare.
Im Song von U2 heißt es übrigens auch: "But I won't heed the battle call. " "Ich werde dem Schlachtruf nicht folgen. " Ich freu mich, wenn ihr euch in den Kommentaren auch für friedliche Lösungen einsetzt und keinen Schlachtruf ausruft oder dem Schlachtruf folgt.
Also, schreibt gerne unten hin. Neben mir geht's weiter mit einem Video über einen anderen Konflikt: den Nahost-Konflikt. Auch den gibt es schon seit Jahrzehnte.
Schaut gerne rein. Direkt darunter findet ihr ein Video der Kollegen von funk. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal!