ein Volk wählt seine Institutionen nicht beliebig ebenso wenig wie es die Farbe seiner Augen oder seine Haare wäht Institutionen und regierungsweisen sind ein gesellschaftsprodukt weit entfernt die Schöpfer einer Epoche zu sein sind sie deren Geschöpfe die Völker werden nicht nach ihren momentanen Launen sondern gemäß ihrem Charakter Jahrhunderte erfordert die Bildung einer Staatsordnung und Jahrhunderte deren Wandel es liegt also ganz und gar nicht in der Macht eines Volkes seine instutionenklich zu ändern gewiss kann es auf Kosten gewaltsam Revolutionen den Namen seiner Institutionen ändern aber der Kern bleibt derselbe die Namen sind nur leere Etiketten um die
sich ein gründlicher Historiker nicht zu kümmern hat so ist z.B das demokratischste Land der Welt England das doch eine monarchische Verfassung hat während der härteste Despotismus in den südamerikanischen Republiken trotz ihrer republikanischen Verfassung herrscht nicht die Regierung sondern der Charakter der Völker bestimmt deren Schicksale was die Völker beherrscht ist ihr Charakter und alle Institutionen die sich diesem Charakter nicht innig anschmiegen stellen nur eine vorübergehende Verkleidung da gewiss hat es blutige Kriege und gewaltige Revolutionen gegeben und es wird ihrer geben um Institutionen einzuführen denen man wie den Reliquien der Heiligen die übernatürliche Macht zuschreibt Glück zu
stiften in gewissem Sinne könnte man also sagen die Institutionen wirken auf die Massenseele da sie solche Erhebungen veranlassen in Wahrheit aber sind es nicht die Institutionen die so wirken denn wir wissen dass sie sighaft oder besiegt an sich keinerlei Kraft besitzen was auf die Massenseele wirkte waren Illusionen und Worte besonders aber Worte jene Lehren und dabei machtvollen Worte deren wunderbare Herrschaft wir da tun werden wir haben bisher die geistesbeschaffenheit der massenstudiert wir kennen die Art ihres Fühlens Denkens Schließens nun wollen wir sehen auf welche Weise ihre Meinungen und Anschauungen entstehen und sich Befestigen der Faktor
der Herkunft muss an die erste Stelle gesetzt werden denn er überragt alle anderen beträchtlich an Bedeutung da wir ihn in einer anderen Schrift genügend untersucht haben brauchen wir hier nicht auf ihn zurückzukommen wir haben in jener Schrift gezeigt was eine historische Herkunft ist und wie sie nachdem ihre Charaktermerkmale sich einmal gebildet haben vermöge des vererbungsgesetzes eine solche Macht besitzt dass ihre Glaubenssätze ihre Institutionen ihre Kunst kurz alle ihre Kulturelemente nur den en Ausdruck für ihre Seele bilden wir haben dar getan dass die Kraft der Herkunft so groß ist dass kein Element von einem Volke zum
anderen übergehen kann ohne die tiefstgehenden Umwandlungen zu erfahren das Milieu die Umstände die Ereignisse stellen die sozialen Suggestionen des Augenblicks da sie können von erheblichem Einflusse sein aber dieser Einfluss ist stets ein momentaner daraus ergibt sich der Umstand dass die Massen verschiedener Länder in ihrem Glauben und Verhalten sehr beträchtliche Unterschiede aufweisen und nicht auf die gleiche Weise zu beeinflussen sind die Tradition umfasst die Ideen Bedürfnisse und Gefühle der Vorzeit sie ist die Synthese der Gesellschaft und lastet mit ihrem ganzen Gewichte auf uns ein Volk ist ein durch die Vergangenheit geschaffener Organismus der wie alle Organismen
sich nur mittels langsame erbansammlungen verändern kann was die Menschen besonders wenn sie zu Massen vereinig sind leitet ist die Überlieferung nur die Namen die äußeren Formen derselben ändern sich leicht wie ich schon betonte das ist nicht zu bedauern ohne überlieferungn Volksseele keine Zivilisation so bestanden denn auch die zwei großen Beschäftigungen des Menschen seit seinem Auftreten in der Schaffung eines Netzes von Überlieferungen und in deren Zerstörung nach Verbrauch ihrer nützlichen Wirkungen ohne Tradition keine Zivilisation ohne langsame Ausschaltung ersterer kein Fortschritt die Schwierigkeit steht darin das richtige Gleichgewicht zwischen Stabilität und Variabilität zu finden und diese Schwierigkeit
ist ungeheuer hat ein Volk durch viele Generationen seine Gewohnheiten zu fest werden lassen so kann es sich nicht ändern und wird unfähig zur vervollkomnung gewaltsame Revolutionen helfen dann nichts denn dann geschieht es entweder dass die zerbrochenen Glieder der Kette sich wieder zusammenlöten und die vergangen ohne Wechsel ihrer Herrschaft aufnimmt oder dass die Bruchstücke getrennt bleiben und dann folgt der Anarchie bald der Zerfall es ist also das ideal für ein Volk die Institutionen der Vergangenheit zu bewahren und sie nur unmerklich und schrittweise umzuwandeln es ist dies ein schwer erreichbares ideal im Altertum waren die Römer in
der Neuzeit die Engländer ziemlich die einzigen die es verwirklicht haben die zähsten Bewahrer der traditionellen Ideen die sich am hartnäckigsten deren Wechsel widersetzen sind gerade die Massen und besonders jene aus denen die verschiedenen Gesellschaftsschichten bestehen gegen Ende des 18 Jahrhunderts konnte man angesichts der verjagten oder giutinierten Priester der allgemeinen Verfolgung des katholischen Kultus glauben die alten religiösen Ideen hätten alle ihre Macht eingebüst dennoch vergingen nur einige Jahre da musste infolge der allgemeinen Forderungen der abgeschaffte Kultus wieder eingesetzt werden für einen Augenblick verlöscht hatten die Überlieferungen ihrer Herrschaft wieder aufgenommen es gibt kein Beispiel dass die
Macht der Überlieferung über die Massenseele besser zeigt nicht in den Tempeln wohnen die furchtbarsten Idole nicht in den Palästen die despotischsten Tyrannen sie können in einem Augenblick gestürzt werden aber die unsichtbaren Herren die in unseren Seelen herrschen entschlüpfen jedem Aufstandsversuch und weichen nur der langsamen Schwächung durch die Jahrhunderte einer der kräftigsten Faktoren in den sozialen wie in den biologischen Problemen ist die Zeit sie ist der ige Erzeuger und der einzige große Zerstörer sie ist es die die Berge aus Sandkörnern gemacht und die winzige Zelle der geologis uhzeit zur menschlich würde erhoben hat umgendein Ding zur
Umwandlung bringen genügt das Verstreichen der Jahrhunderte mit rechtd gesagt eineise die genug Zeit hätte kte den monc abagen ein Wesen das die magische Gewalt besäße die Zeit nach Belieben wechseln zu lassen hätte die Macht welche von den Gläubigen Gott zugeschrieben wird hier haben wir uns aber nur mit dem Einflusse der Zeit auf die Entstehung der Anschauungen der Massen zu befassen ihre Wirksamkeit ist in dieser Hinsicht sehr groß abhängig von ihr sind die großen Kräfte wie die der Herkunft die sich ohne sie nicht Bild können sie lässt alle Glaubensinhalte erstehen wachsen absterben sie ist es die
ihnen ihre Macht gibt und nimmt die Zeit vornehmlich bereitet die Anschauungen und Überzeugungen der Massen vor das heißt den Boden auf dem sie keimen das ist der Grund warum gewisse Ideen nur zu einer bestimmten Zeit nicht zu einer anderen realisierbar sind die Zeit ist es die jene ungeheuren Trümmer von Glaubensinhalten und Gedanken anhäuft auf denen die Ideen einer Epoche erwachsen nicht durch Zufall und ungefähr Keimen sie die Wurzel einer jeden reicht in eine weite Vergangenheit die Zeit allein wird uns das Gleichgewicht wiederherstellen keine Ordnung schreibt treffend Lavis ist an einem Tage erstanden die politischen und
sozialen Organisationen sind Werke die Jahrhunderte erfordern der Feudalismus Bestand jahrhunderteang formlos und chaotisch bevor er seine Regelung erfuhr die absolute Monarchie existierte ebenfalls durch Jahrhunderte bis sie reguläre Herrschaftsmittel fand und es gab großen wirwa in dieser Übergangszeit unter den herrschenden Ideen einer Epoche deren kleine Zahl und große Kraft wir hervorgehoben haben nimmt heute den ersten Rang die Anschauung ein dass der Unterricht die Menschen erheblich zu verändern vermag und deren Verbesserung und sogar Gleichmachung zum sicheren Ergebnis hat bloß durch seine Wiederholung ist dieser Satz schließlich eines der unerschütterlichsten Dogmen der Demokratie geworden und es ist ebenso
schwer es anzutasten als es sich einst mit den kirchlichen Dogmen verhielt in diesem wie in vielen anderen Punkten aber hat sich ein großer Zwiespalt zwischen den demokratischen Ideen und den Tatsachen der Psychologie und der Erfahrung herausgestellt mehrere hervorragende Philosophen unter anderem auch Herbert Spencer konnten leicht dartun dass der Mensch durch den Unterricht weder sittlicher noch glücklicher wird dass durch ihn seine Instinkte und Grundtriebe nicht abgeändert werden dass der Unterricht oft wenn schlecht geleitet mehr Schaden als Nutzen bringt die Statistiker bestätigten diese Ansicht indem sie zeigten dass die Kriminalität mit der Verbreitung des Unterrichts oder wenigstens
einer gewissen Art des Unterrichts zunimmt dass die schlimmsten Feinde der Gesellschaft die Anarchisten sich oft aus den best der Schule rekrutieren niemand behauptet dass der gutgeleitete Unterricht nicht sehr nützlich wirken könnte wenn schon nicht in sittlicher Hinsicht so doch wenigstens zur Entfaltung der beruflichen Fähigkeiten leider haben besonders die lateinischen Völker ihre unterrichtssysteme auf ganz falschen Prinzipien aufgebaut und verbleiben trotz der Bemerkungen der vortrefflichsten Köpfe in ihren beklagens Werten Irrtümern die erste Gefahr dieser treffend als lateinisch charakterisierten Erziehung besteht darin dass sie auf dem psychologischen Grundirrtum beruht die Intelligenz entwickle sich durch auswendig lernen von Lehrbücher
ferner hat man versucht so viel als möglich zu lehren und von der Volksschule bis zum Doktorat oder zur Staatsprüfung lernen die jungen Leute nur auswendig ohne Ausbildung des Urteils und der Initiative der Unterricht bedeutet für sie aufsagen und gehorchen Lektionen lernen eine Grammatik oder einen Abriss auswendig wissen gut wiederholen gut nachahmen der Erwerb von Kenntnissen für die man keine Verwendung finden kann ist ein sicheres Mittel um aus dem Menschen einen Empörer zu machen wenn nur der Oberflä Erwerb so vieler Kenntnisse und das vollkommene herersagen so vieler Lehrbücher das Niveau der Intelligenz heben würde ist das
aber wirklich der Fall eher nein Bedingungen des Erfolges im Leben sind Urteil Erfahrung Initiative Charakter die Bücher bieten nichts davon die Bücher sind nützliche nachschlageerke und es ist durchaus unnütz lange Fragmente aus ihnen im Kopf zu behalten wollen wir die Ideen und Überzeugungen die hier heute keimen und morgen aufgehen werden verstehen so müssen wir wissen wie der Boden dazu vorbereitet wurde der Unterricht den die Jugend eines Landes genießt lässt uns erkennen was dieses Land einst sein wird die Erziehung welche der gegenwärtigen Generation zu Teil wird rechtfertigt die düstersten Ahnungen Hand in Hand mit dem Unterricht
und der Erziehung verbessert oder verschlechtert sich die Massenseele