Rom, Hauptstadt des Imperium Romanum. Ein Weltreich vom Atlantik bis nach Syrien, von Rhein und Mosel bis nach Nordafrika. Ein starkes Militär, kulturelle Blüte und ein mächtiger Kaiser an der Spitze des Staates, prägen unser Bild vom antiken Rom.
Dabei ist Rom über 400 Jahre eine Republik, bevor der erste Kaiser den Thron besteigt. Dass Rom überhaupt zu einem Kaiserreich wird, beruht auf dem Willen, Geschick und Tatendrang eines Mannes - Gaius Octavius. Besser bekannt als Kaiser Augustus.
Wie gelingt es ihm die Geschichte Roms für immer zu verändern und das Bild der antiken Supermacht bis heute zu prägen? Im 1. Jahrhundert vor Christus steckt die römische Republik in einer tiefen Krise.
Das Militär wird für politische Zwecke instrumentalisiert. Die Legionen Roms dienen nicht dem Staat, sondern werden von mächtigen Männern, die um die Herrschaft konkurrieren, für ihre Zwecke missbraucht. Die römische Republik steht vor dem Zusammenbruch.
Die Krise der römischen Republik, ist im Grunde genommen das Ergebnis des Erfolgs der römischen Republik. Innerhalb von nicht einmal 70 Jahren, hat Rom im 2. Jahrhundert vor Christus, fast die gesamte damals bekannte Welt unterworfen.
Daran sehen wir, dass es keine wirtschaftliche Krise zunächst ist. Sondern eine Krise, die aus dem Konflikt der mächtigen Männer Roms heraus entstand, die nicht mehr dazu in der Lage waren, zu einem politischen Konsens miteinander zu kommen. Und es sind gerade eben diese Krisenzeiten oder gefühlte Krisen, die Bevölkerungen, den Wunsch nach einem sogenannten starken Mann, die diesen Wunsch aufkommen lassen und das brachte dann letztlich die Diktatur hervor.
Den Kampf um die Macht gewinnt der Feldherr und Politiker Gaius Julius Cäsar. Mit seinem militärischen Geschick, gelingt ihm die Eroberung Galliens als römische Provinz. Sein militärischer Erfolg gibt ihm das Vertrauen und den Rückhalt seiner Soldaten.
Mit seinen Legionen zieht er schließlich nach Rom. Siegesgewiss marschieren seine Truppen in Richtung der Hauptstadt des Imperiums. Hochverrat, denn laut römischem Recht ist es einem General verboten mit seinen Truppen das römische Kernland zu betreten.
Sein Verhalten ist Auslöser eines Bürgerkrieges, an dessen Ende Cäsar als Gewinner steht. Als Triumphator zieht er durch die Straßen Roms und die Massen jubeln ihm zu. 45 v.
Chr. ist Cäsar auf dem Höhepunkt seiner Macht und lässt sich vom Senat zum Diktator auf Lebenszeit ernennen. Caesar war, anders als seine Konkurrenten, dazu bereit, gegen die Regeln der Republik zu spielen.
Alle Akteure haben sich im Grunde genommen immer versucht, an die Regeln der Republik zu halten. Aber meiner Ansicht nach war Caesar dazu bereit, die Republik als Herrschaftsform zu Grabe zu tragen. In dem Moment, in dem er die Diktatur auf Lebenszeit annahm.
Doch Cäsars Gier nach der Macht wird ihm zum Verhängnis. Im entmachten Senat verschwört sich eine kleine Gruppe von Senatoren gegen den neuen Diktator. Am 15.
März 44 v. Chr. kommt es zum Hinterhalt im Senatsgebäude.
Die Anhänger der Republik töten Cäsar, in der Hoffnung die Republik zu retten. Aber die Idee der Alleinherschafft stirbt nicht mit Cäsar. Nach seinem Tode konkurrieren verschiedene Parteien um die Macht.
Auf der einen Seite stehen die Republikaner, Cäsars Gegner, zu denen der Großteil des Senats gehört: im Zentrum: Philosoph und Politiker Cicero. Auf der anderen Seite die Anhänger Caesars um seinen Weggefährten Marcus Antonius und mit ihm der Großteil des Heeres. Doch völlig unerwartet tritt ein weiterer Akteur auf den Plan.
Der kinderlose Cäsar vertraut sein Erbe einem Teenager an. Sein Großneffe Gaius Octavius ist mit 18 Jahren der Alleinerbe Cäsars. Caesar adoptiert ihn sogar testamentarisch.
Fortan trägt er den klangvollen Namen seines Großonkels. Wird von seinen Feinden aber Oktavian genannt, was schlicht Ex-Octavius bedeutet. Um seine Erbansprüche durchzusetzen, beginnt Octavian eine Privatarmee aus Cäsars Veteranen zu formieren.
Diese folgen ihm aus Treue zu Cäsar und in der Hoffnung auf eine spätere Versorgung durch Octavian. Der Teenager strebt nach der Macht, doch es ist ein gefährliches Spiel, das er betreibt. Ohne Verbündete hat er keine Aussicht auf Erfolg.
Er marschiert mit seinen Truppen nach Rom und hofft auf eine Legitimation durch den Senat, der wieder das Machtzentrum der Republik ist. Ein riskanter Schachzug. Im Grunde genommen beginnt Octavian als Warlord.
Er stellt aus privaten Mitteln eine Armee auf, das ist Hochverrat. Oktavian kommt nach Rom und bietet seine Privatarmee Cicero an, um die Republik zu verteidigen. Er präsentiert sich als Bewahrer der Republik und wirbt um die Gunst der Männer, die gegen die Verbündeten seines Adoptivvaters kämpfen.
Cicero lehnt den Aufsteiger zunächst ab. Die illegalen Truppenbewegungen wiegen zu schwer für Cicero. Er schreibt: „guter Bürger kann er nie sein.
“ Doch gleichzeitig brauchen die Republikaner dringen Soldaten, um sich gegen die Anhänger Cäsars um Mark Anton durchzusetzen. Cicero hofft, mithilfe von Octavian Marc Anton ausschalten zu können. Denn dieser Marc Anton war das primäre Hassobjekt von Cicero.
Cicero geht einen Deal mit Octavian ein. In einer Senatssitzung am 20. Dezember 44.
v Chr. wird Marc Anton der Krieg erklärt und Oktavians Truppen offiziell legitimiert. Cicero ist plötzlich voll des Lobes für die jungen Mann und schreibt in der Folge überaus positiv über seinen neuen Feldherrn.
Tatsächlich treffen Oktavian und Marc Anton in der Schlacht von Mutina, dem heutigen Modena aufeinander. Die Legionen Oktavians siegen und Marc Anton muss die Flucht antreten. Oktavian hat seine Versprechungen gegenüber dem Senat erfüllt.
Doch das Bündnis bekommt schnell Risse. Cicero hat vollkommen verkannt, dass er hier einen ganz machtvollen Player versucht zu instrumentalisieren. Das ist das Ziel Ciceros gewesen.
Er wollte Octavian benutzen, auch ehren und danach aber in die Bedeutungslosigkeit schicken. Und da hat er sich vollkommen verschätzt. Wahrscheinlich, weil er nicht erkannt hat, dass ein 19-jähriger durchaus auch machtpolitisch handeln kann.
Octavian braucht einen neuen Verbündeten und findet diesen in seinem einstigen Feind. Er geht eine Allianz mit Marc Anton ein und wendet sich nun gegen die Republikaner. Sie schaffen zusammen mit Lepidus, einem der reichsten Männer Roms, ein militärisches Bündnis.
Ziel ist, den Senat zu entmachten und die Mörder Cäsars zu stellen. Die Männer teilen das Reich unter sich auf. Marc Anton bekommt den Osten, Oktavian den Westen und Lepidus den Süden.
Aufgrund des militärischen Drcks dieses Triumvirats, also eines Drimännerbundes, erhalten sie von der Volksversammlung die Legitimation, das Reich für die nächsten 5 Jahre zu führen. Als Erstes rächen sich die neuen Herrscher an den Republikanern und veröffentlichten sogenannte Proskriptionen. Ächtungslisten, die die darauf stehenden Personen für vogelfrei erklären.
Wer auch immer sie tötet, wird mit Geld und Ansehen belohnt. Hunderte Senatoren sterben. Die nachrückenden Senatoren sind den neuen Herrschern treu ergeben.
Auch Oktavians einstiger Verbündeter Cicero landet auf einer der Listen. Da sollen dann über 300 Senatoren zu Tode gekommen sein und noch viele, viele andere. Ein brutalstes Großreinemachen, was jetzt in Italien durchgeführt wurde, ist im Grunde genommen eine Situation, wie wir sie auch in modernen Diktaturen haben.
Schauen wir nach Russland. Das Verhältnis zwischen Prigoschin und Putin. Zunächst arbeitet Prigoschin mit Putin zusammen oder umgekehrt.
Dann wird Prigoschin zu eigenständig und am Ende stürzt sein Flugzeug ab. Und ganz ähnlich waren diese Verhältnisse unter diesen sogenannten starken Römern auch. Das Triumvirat stellt die verblieben Caesarmörder in der Schlacht von Philippi 42 v.
Chr. Die letzte ernsthafte Bedrohung bildet Sextus Pompeius, der über eine mächtige Flotte verfügt und Sizilien als Festung ausgebaut hat. Er droht die Getreidelieferungen nach Rom zu blockieren.
Doch die Truppen des Triumvirats besiegen auch seine Streitmacht 36 v. Chr. In der Folge wird auch Lepidus durch Octavian entmachtet.
Die beiden verbliebenen Akteure streben nun nach der Macht. Immer wieder kommt es zu Konflikten. Doch die Soldaten zwingen beide immer wieder auch, sich zu vertragen.
Aber es zeigt uns, dass die Römer selbst wahrscheinlich ganz klar wussten, ob nun Octavian oder Marc Anton siegt, ist vollkommen egal. Was auf uns zukommt, ist jetzt eine ganz neue Form von Herrschaft. Oktavian kann nicht direkt gegen Marc Anton vorgehen, denn die Bürgerkriege sind offiziell beendet und ein neuer Bürgerkrieg ist den Römern nicht zu vermitteln.
Doch Marc Antons Privatleben bietet einen Angriffspunkt für Oktavian. Er unterhält eine Beziehung zu Kleopatra, der Königin Ägyptens. Das Reich im Norden Afrikas ist strategisch bedeutsam.
Ägypten ist damals die Kornkammer der Welt. Der Nil verschafft dem Land mehrere Ernten pro Jahr. Ein wichtiger Faktor für die Getreideversorgung Roms.
Oktavian beginnt Stimmung gegen seinen Kontrahenten zu machen, der sowieso bereits einen Zweifelhaften Ruf genießt. Marc Anton hatte schon den Ruf eines Trunkenbold, eines passiv Homosexuellen, eines Frauenhelden, der vor allen Dingen das schöne Leben liebte. Dieser Ruf, der begleitete ihn nach Alexandria.
Und hier ließ er sich ja dann auch mit Kleopatra ein, zeugte drei Kinder mit ihr und da kommen wir dann zu einem zentralen Kritikpunkt, der es Octavian ermöglicht, die Stimmung der römischen Bevölkerung gegen Marc Anton zu wenden. Er wird als Sklave einer Frau bezeichnet. Was Schlimmeres konnte es für Römer nicht geben, von dieser Frau verhext worden sei und vollkommen geisteskrank geworden sei.
Die perfekte Angriffsfläche für Oktavian. Er wirft Marc Anton vor, dass er mit Kleopatra eine orientalische Dynastie errichten und die Hauptstadt des Reiches nach Alexandria verlegen will. Römische Provinzen sollten als Geschenk an ihre Kinder gehen.
Überhaupt würde er sich in Ägypten, wie ein orientalischer König gebärden. Um Marc Anton auszuschalten, setzt Oktavian auf ein Vorgehen, das bis heute in der Politik Anwendung findet. In dem Moment, in dem Herrschaften in Krisen geraten, versuchen sie innenpolitische Konflikte zu externalisieren, also nach außen zu tragen.
Das heißt, eine innere Krise von einer inneren Krise wird durch den Aufbau eines äußeren Feindes abgelenkt. Und genau das ist im Grunde genommen Octavian gelungen. Sehr gut gelungen sogar.
Er macht aus diesem Bürgerkrieg in der politischen Repräsentation einen Krieg gegen den auswärtigen Feind Ägypten, so dass Marc Anton, der eigentliche Gegner, nur noch eine untergeordnete Rolle in dieser Repräsentation spielt und die entscheidende Gegnerin Kleopatra wird. Die Entscheidungsschlacht findet vor der Küste Griechenlands statt. In der Seeschlacht bei Actium 31 v.
Chr. gelingt es Oktavian Marc Antons Truppen zu besiegen. Marc Anton und Kleopatra gelingt zwar die Flucht nach Ägypten, aber der Krieg ist verloren.
Als Marc Anton erfährt, dass große Teile seiner Truppen zu Oktavian überlaufen, gesteht er sich selbst seine Niederlage ein. Er und Kleopatra begehen am 30. August 30 v.
Chr. Selbstmord. Zurück in Rom, verspricht Oktavian dem Senat, die Republik und ihre Institutionen zu erhalten.
Er tritt als Garant des Friedens auf, der dennoch alle militärische Macht in seinen Händen hält. Er selbst bezeichnet sich als Princeps – der Erste, also der erste Mann im Staat, der für den Fortgang und Schutz der Republik einsteht und dafür weitreichende Befugnisse erhält. Der Senat stimmt zu und verleiht ihm den Ehrentitel Augustus – der Erhabene.
Demokratien sterben, oder werden zu Grabe getragen, häufig auch durch Personen, die behaupten, die Demokratie retten zu wollen. Und genau das war auch der Trick Octavians mit der römischen Republik. Deshalb baut er ein System, indem er eben diese römische Republik mit ihren Institutionen bestehen lässt und dem Senat über Ruhm und Ehren und Verwaltungspositionen wieder eine bedeutende Position zuweist.
Das heißt, er nennt sich nicht Diktator, sondern er nennt sich Erster. Er ist ein Erster unter Gleichen. Es gibt ein bekanntes Buch, "the Animal Farm" und da heißt es: "All animals are equal but some are more equal.
" Und so sah sich eben auch, als Octavian dann Augustus war, Primus inter Pares, der erste unter Gleichen. Die größte Gefahr für Umsturzversuche, das weiß Augustus aus eigener Erfahrung nur zu gut, kann aus dem Militär erwachsen. Er reformiert das Militär und vereinheitlicht die Ausbildung der Truppen.
Auch schafft er ein stehendes Berufsherr, das durch Steuern finanziert wird. Kein Feldherr darf mehr Triumphe ihn Rom feiern, denn alle Befehlsgewalt leitet sich direkt von Augustus ab. Jeder militärische Erfolg ist damit sein persönlicher Erfolg.
Seine Truppen erobern den Norden Spaniens, die Alpen und das Alpenvorland, Teile Germaniens und des Balkans. Die Armee dient dem Staat und damit Augustus. Vorbei die Zeit, der machtvollen Generäle.
Nicht nur die politische Elite und das Militär gewinnt er für sich, sondern auch das Volk. Regelmäßige Brotverteilung für die Armen in der Bevölkerung, gehören genauso dazu, wie aufwendige Gladiatorenspiele. Auch die erste staatliche Feuerwehr Roms, das immer wieder von schweren Bränden heimgesucht wird, geht auf Augustus zurück.
Alleinherrschaft funktioniert nur dann, wenn ich Zustimmung zu meiner Herrschaft habe. Im Grunde genommen Jede Herrschaft funktioniert nur so! Moderne Diktatoren haben zwei Möglichkeiten zu herrschen.
Wir haben in Weißrussland ein brutales Unterdrückungsregime oder wir haben, wenn wir nach Ägypten schauen, auch eine Diktatur, die auch politisch Andersdenkende unterdrückt. Aber gleichzeitig versucht die Bevölkerung vor allen Dingen über die Ernährung auf ihrer Seite zu halten. Das Entscheidende, das ist das Brot für die Bevölkerung.
Oktavian setzt eben auf Brot und Spiele, das war eines der entscheidenden Mittel, Zustimmung von der Bevölkerung zu erhalten. Um jeden Einwohner daran zu erinnern, wer das riesige Reich beherrscht, setzt Augustus auf eine wahre Bilderflut. Er ist der erste, der sein Konterfei massenhaft auf Münzen prägen lässt.
So trägt jeder Bürger Roms ein Abbild des Herrschers stets bei sich. Darüber hinaus bedient er sich eines Mittels, das bis heute äußerst beliebt bei Alleinherrscher ist: Er startet große Bauprojekte, schafft riesige Tempelanlagen und Parks. Immer mit dabei eine Statue oder Büste des Kaisers.
Bis heute setzten Diktatoren auf eine öffentliche Dauerpräsenz, auch wenn sich die Darstellungsformen gewandelt haben. Für moderne Diktatoren ist es ganz entscheidend, im Bild jedem Untertanen präsent zu sein. Denn Diktatoren sind per se in Gefahr.
Sie müssen sich ständig der Zustimmung ihrer Untertanen, ihrer Beherrschten sichern. Und diese Zustimmung ist vor allen Dingen durch die bildliche Präsenz und verbunden mit dieser bildlichen Präsenz, auch durch das Herausstellen der Wohltaten, die der Diktator seiner Bevölkerung bringt, zu generieren. Die Macht der Bilder funktionierte vor 2000 Jahren genauso wie heute.
Vielleicht war sie sogar noch wirksamer. Denn die Menschen haben nicht so viel gelesen wie heute, sondern sie wurden vor allen Dingen über Bilder und Sprache informiert. Augustus Maßnahmen zeigen Erfolg.
Seine Herrschaft währt über 40 Jahre. Er geht als Konstrukteur des römischen Kaisertums, das eine 200-jährige Periode des inneren Friedens begründet, in die Geschichte ein. Sein brutaler Weg zur Macht, gerät nahezu in Vergessenheit.
Was denkt ihr über Augustus und seine Methoden? Schreibt es uns in die Kommentare und lasst gerne ein Like oder ein Abo da.