Bauern aus der ganzen Gegend kommen mit ihrer Ernte auf den Großmarkt. War sie gut? Oder schlecht?
Das interessiert Maxime Souvignet. Die Landwirtschaft hier leidet unter dem Klimawandel. Er koordiniert ein Projekt, in dem es um eine Versicherung gegen Schäden durch Wetterextreme geht.
“In Marokko gibt es bereits solche Versicherungen für kleine Landwirte. Diese Versicherungen werden schon durch Firmen angeboten und sind durch den marokkanischen Staat subventioniert. Damit brauchen wir uns also nicht beschäftigen.
Was uns mehr interessiert, ist eine Versicherung, die die ganze Wertschöpfungskette einschliesst. ” Das heißt: Vom Feld über den Transport bis zur Verpackung – idealerweise werden alle entschädigt, egal ob sie direkt oder indirekt betroffen sind. Wir sind in der Souss-Ebene, die Landwirtschaft ist hier die Einkommensquelle.
Doch immer häufiger gibt es Trockenheit und Dürre auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite. Wir fahren in die Provinzhauptstadt Taroudant, wo die lokalen Behörden mit den Folgen der Wetterextreme kämpfen. Starkregen und Überschwemmungen gefährden die ganze Region.
Vor allem auch die Infrastruktur - also Straßen und Brücken. Im Gespräch wird schnell klar: es fehlt vor allem Geld! „Wir haben eine Studie für die Brücken gemacht und was Schutzmaßnahmen für die Stadt kosten.
Das sind rund 810. 000 Euro. 20 % davon bezahlt das Rathaus, 30% das Innenministerium, aber für die anderen 50% suchen wir noch jemanden, der das finanziert.
“ Wie drastisch die Überschwemmungen sein können, zeigt ein Handyvideo. Aufgenommen erst wenige Wochen zuvor. Das Resultat: solche eingestürzten Brücken.
Wenn die lokalen Behörden sie nicht Instand setzen können, hat das Folgen für den Transport von Obst und Gemüse. Die provisorische Piste mag jetzt helfen, beim nächsten Regen ist sie nicht befahrbar. “Eine zerstörte Brücke hier in Taroudant kann bedeuten, dass darunter die Produktion und die Auslieferung an die Firmen in der Stadt Ait Melloul leidet.
Die gesamte Wertschöpfungskette ist also betroffen. Die ganze Region ist abhängig von einer zerstörten Brücke in Taroudant. “ Die Firmen im Industriepark von Ait Melloul verarbeiten Obst und Gemüse der Region für den Export.
Wenn Lieferungen bei ihnen nicht ankommen, wirkt sich das auf die Wirtschaft aus. Denn von hier gehen neunzig Prozent der Agrarexporte Marokkos in alle Welt! Ein Vorteil der geplanten Klimaversicherung, an der Souvignet mit seinem Projekt arbeitet: die Wetterdaten entscheiden.
Fällt etwa eine bestimmte Menge Regen, wird gezahlt. Wer einen Schaden hat, muss den nicht speziell begutachten lassen. Vierhundert Firmen in Ait Melloul sind im Fokus des Projekts: „Wir arbeiten nicht direkt mit den Firmen, es ist schwer an sie ranzukommen.
Es ist kompliziert, ihnen neue Konzepte vorzuschlagen ohne die Hilfe regionaler Behörden und Verbände. Deshalb haben wir Partner wie zum Beispiel das regionale Zentrum für Investitionen. “ Der Ernst der Lage ist vielen Unternehmen in der Region bewusst.
Die Früchte, die sie in dieser Firma verpacken, stammen von eigenen Plantagen. Bei andauernder Hitze wachsen die Orangen aber nicht mehr, Überschwemmungen führen zu mehr Pilzbefall. Der Klimawandel ist für sie bittere Realität, sagt der Firmenchef.
Wenn die Früchte irgendwann nicht mehr für den Export gut genug sind, nützt auch die modernste Verpackungsanlage nicht viel. Der Firma drohen dann Verluste. Und das spüren dann auch die Mitarbeiter.
Die Versicherungen, die auf dem Markt sind, seien schon eine gute Sache, sagt der Chef später noch, reichen aber nicht. “Es gibt bis heute viele Sachen,die nicht abgedeckt sind. Die ganze Bearbeitung ist äußerst zäh.
Wenn man einen Versicherungsfall hat, der auf den Klimawandel zurückzuführen ist, dann fühlt sich keiner verantwortlich. Bis was passiert, dauert es. ” Bei der neuen Klimaversicherung soll das anders werden.
In einem Workshop in der Handelskammer treffen sich an diesem Tag Versicherungsanbieter, lokale Behörden- und Verbandsvertreter und Projektkoordinator Souvignet. Am Ende soll es nicht allein eine Versicherung geben. Es geht auch um Beratung, wie Schäden vermieden können.
“Wir wollen im Prinzip etwas auf nachhaltige finanzielle Füße stellen, aber wir wollen es integrieren in eine Risikoreduktionskette, d. h. wir gucken, dass es ein Risikomanagementkonzept gibt und die Versicherung eigentlich nur noch das letzte Element ist in dieser gesamten Kette.
Und wenn wir das gut machen, dann ist die Versicherung auch sehr viel günstiger, weil das Risiko reduziert wird. “ Bevor die neue Klimaversicherung starten kann, müssen noch weitere Daten erhoben werden. Darüber hinaus müssen Bauern und Unternehmer einen Weg finden, wie sie ihre Betriebe trotz der immer häufiger auftretenden Überschwemmungen und Dürren am Leben erhalten können.