Magnus ensberger sie werden wenn ich richtig gerechnet habe im November 86 Jahre alt was für ein Mann sitzt vor mir wie ist ihre Grundstimmung im Moment wie ist das Lebensgefühl gefasst gefasst ich finde das alles noch erträglich das alte wird gefürchtet aber solange das intakt ist und solange das in sehe ich gar kein Problem also keine Melancholie nein die Melancholie ist ein immer ein Begleiter auch mit 17 wird man melancholisch da hat man riesige Probleme diese verdammte Adoleszenz ist doch nicht beneidenswert jung zu sein wenn man zurückschaut auf ihr Leben dann ist es ja ein Leben im Zeichen der Literatur und ich würde gern mal sozusagen ganz weit zurücklücken weil sie sind 1929 geboren sie sind haben dann in jungen Jahren natürlich das Drtte Reich den Zweiten Weltkrieg erlebt und dann denkt man sie als junger Mann man hat so das Gefühl da lag das Land in trömern nieder und da gibt es sagen wir mal schwereres als die Literatur und dennoch sind sie den Weg der Literatur gegangen na ja aber das kann man auch sagen die die Großeltern sagen immer der Junge hat ja nichts Anständiges gelernt z. B wäre er Schreiner gewesen ein Kunstschreiner ein guter Schreiner ebinist das wäre was Solides gewesen aber wer weiß was aus diesem Jungen wird ja also aber das war alles nicht so schlimm und ich konnte auch nicht gut Fußball spielen also es blieb eigentlich gar nichts anderes übrig und mir hat es Spaß gemacht ich ich ich leide nicht unter diesem Beruf ich mache das gerne viele Schriftsteller leiden ja immer das kann ich nicht von mir behaupten ich habe mich auch amüsiert das waren natürlich dann es gibt auch Nackenschläge erlagen und das macht doch nichts das muss man das muss man trainieren das muss ein Boxer muss auch trainieren und ein Schriftsteller muss auch trainieren der muss gute Fußarbeit der muss sich bewegt der muss beweg beweglich sein und der darf nicht immer gleich beleidigt sein das ist schlecht was waren denn wenn Sie versuchen mir das zu beschreiben in ihrer Jugend Bücher weil bevor man selber schreibt wird man sicherlich einige lesen waren das Fenster oder Lichtblicke in einer dunklen Zeit na ja ich bin ja ein Allesfresser das heißt ich habe schon als Kind immer alles durcheinander gelesen also da gab es natürlich gab es gulivers Reisen das war ganz wichtig aber es gab auch das Weib bei den Naturvölkern z. B ein wichtiges Buch für einen für einen Zehnjährigen ja da alle möglichen Ferne Kontinente Geheimnisse von Frauen und so weiter und Atlanten waren ganz wichtig waren Atlanten weil man konnte reisen ohne zu reisen auf der Landkarte man hat sich das ich hatte eine Sammlung von kursbüchern von eisenbahnkursbüchern von meinem Vater und ich konnte verfolgen wie man wie kommt wie kommt man von München nach wladiwostock und von wladostock nach jokohama auf Japan mit dem Schiff und solche Reisen habe ich dann imaginäre Reisen gemacht das war doch eine Unterhaltung und hat einen abgelenkt von den Schrecklichkeiten und der Entschluss in anfühungstrichchen Schriftsteller zu werden war das ein bewusster oder war das ein zufällig Weg nein man hat ja immer was gekritzelt schon dieses dieses ist ja auch eine Art Sucht Lesen und Schreiben ist ja sucht so wie Tabak oder Koffein oder sonst irgendwas ist keines keine lebensgefährliche Drge ist es nicht für mich also es war nicht wie wie mess oder oder Amphetamin wo weiß nicht es war irgendwie ich konnte das unter Kontrolle behalten und ich hatte Glück man muss ja Glück haben ein bisschen fortün ohne mit Talent allein und flei allein ist noch nicht genug du musst auch noch ein bisschen fortün haben und ich hatte glücklicherweise vielen Dank weiß nicht warum sie hat ja nicht nur fortün sondern ein besonderes Gefühl für Sprache insbesondere auch für Poesie für Gedichte ihr erster Erfolg war ja ein Gedicht erzählen Sie mir von ihrem Verhältnis zu Gedichten warum liegen die ihn was können die warum sind die so besonders ja weil das ist die ökonomische Form weil sie können mit einer Seite ein Gedicht schreiben aber sie können nicht mit einer Seite einen Roman schreiben das dauert jahrelang und vielleicht bin ich auch zu ungeduldig ich möchte nicht so ein Epos in drei Bänden das ist nicht mein Temperament ich möchte beweglich bleiben und die Poesie hat auch diese Eigenschaft es sie hat ja es gibt Spezialisten unter den Dichtern der eine ist ein liebesdichter der andere ist ein Gesellschaftskritiker der andere ist ein Natur dter und so weiter und ich sehe das nicht ein ich verstehe das nicht warum man sich da spezialisieren soll man kann doch die ist auch ein Allesfresser ich kann über Wissenschaft ich kann über Physik ein Gedicht schreiben warum diese warum diese Reviere diese wir sind doch keine Kellner der diesen Tusch Tisch bedienen muss kann bewegen also so ist mein das ist ich mache ine Regeln für die anderen das mache ich überhaupt nicht weil man kann die nicht die die Akademiker wollen immer eine Regel erfinden ja wie man es gibt eine ganze Lehre der Poetik es gibt Literaturwissenschaft und ich respektiere das aber ich mache nicht die Regeln für die anderen und die können macht was ihr wollt und ich mache was ich will wenn man ihre Gedichte liest auch ihre anderen Büche ich will das gar nicht ver Allgemeinen aber was mir als lei auffällt ist sie haben eine sehr klare direkte Sprache sie ist schnörkellos sie können und im positiven Sinne mit einfachen Worten etwas ausdrücken es gibt ja andere Gedichte die sehr kompliziert sind na ja ich denke ich mache immer diesen Vergleich ein Gedicht sollte vielleicht wie eine Zwiebel sein das heißt sie haben eine äußere Schale die kann jeder sehen ohne Vorbereitung da braucht braucht er nicht ein Seminar oder eine Interpretation sondern jeder muss ein ersten Zugang ein ersten Zugang haben und wer dann noch ein bisschen genauer hinschaut kann diese rosa Hülle wegnehmen und dann kommt die nächste Schicht und so können Sie wenn wenn sie es wenn sie können Brecht konnte das brechtgedichte sind immer verständlich aber um ein um ein brechtgedicht ganz zu verstehen muss man schon etwas im Hintergrund haben man muss ein bisschen etwas Vorwissen man muss z.
B ist es gut wenn man die Bibel kennt heute viele Leute können die Bibel wissen nicht mehr die Bibel und die haben natürlich ein Problem die können nur die erste Schale verstehen und die nächste Schale nicht aber jeder Leser macht was er willt darf ich Sie bitten sich kurz zurück zu setzen in ihre Anfangsjahre hinein also s wir mal so um 1960 denn aus heutiger Sicht ich möchte nicht sagen verwundert ist aber es ist doch es ist eine ein poesieband in eine Zeit hinein der unglaublich erfolgreich ist hat man dam hab dich auch geärgert es gab auch viel Ärger das war alles so ein bisschen es war ein bisschen schrill junge Menschen sind schrill sie sind ein bisschen zu laut vielleicht manchmal aber das war auch eine Notwendigkeit man musste da irgendwie auf den Tisch hauen mal und so nicht immer so sanft und nett sein das geht ja nicht und außerdem so mit diesem Alter ist man dann auch irgendwie frech ein bisschen unverschämt sogar man respektiert Autoritäten nicht und das deswegen sind diese alten Gedichte da die sind mir manchmal nicht so sind mir manchmal ein bisschen peinlich sogar aber das muss sein das muss auch sein das gehört dazu das haben die alle die alle war ich bin bei weit nicht der frechste ich meine rambau war viel frecher aber diese Zeit so um 1960 war ja der Beginn sagen wir mal einer Übergangszeit also jetzt plakativ gesprochen Stunde Null dann so die wirtschaftswunderjahrech die alten Nazis in der Regierung im System dann auf einmal so langsam eure gemeinhof die fröhen Schriften Beginn des auschwitzprzesses ja ja ja da hinein in diese Zeit haben sie und andere publiziert war das auch der Hunger nach etwas Neuem der Bruch mit dem wie sehen Sie das heute na ja also das war ja der komische Fall die komische Situation von ein von eine Gesellschaft die deutsche Gesellschaft musste neu gegründet werden die war so nicht mehr lebensfähig so ging es nicht weiter und sowas geht auch nicht so ruhig hin sondern da gibt es alle möglichen Geburtswehen sozusagen ja das sind ja komplizierte Prozesse alle Trans informationsprobleme dieser Art man sieht z. B in Osteuropa die Polen also man muss die anderen auch sehen nicht nur die Deutschen haben ein Problem viele haben ein Problem mit der Kollaboration mit diesem mit der Bürgerkrieg alle voll von solchen Geschichten also die Deutschen sollen bitte nicht glauben dass sie die einzigen sind die ein Problem haben wir haben vielleicht ein besonders großes Problem aber andere sind nicht jeder hat obsession wir können ja nicht ohne Obsessionen gibt es keine Gesellschaft waren sie Geburtshelfer dieses Umbruchs dieses Neubeginn hinterher kann man vielleicht behaupten aber aber das WUs wusste man gar nicht was dabei herauskommt das konnte man nicht vorhersehen ich hätte wenn mir 1945 jemand gesagt hätte ich sehe ein ein Film über München heute oder Hamburg oder Berlin heute hätte ich gesagt das kann nicht sein das wird nie wieder bewohnbar das Land ist bewohnbar geworden zu meiner Überraschung überraschen sie sind ja bei allem Engagement das nicht nur in ihren Büchern sondern auch in ihren zeitkommentaren liegt immer ein ich möchte sagen unideologischer Mensch gewesen also auf jeden Fall kein verborter und irgendwo auch ein fröhlicher Mensch na ja also ich weiß nicht ich bin ich habe vielleicht auch ein Defizit nämlich ein gläubigkeitsdefizit weil alles was mit Ismus aufhört sage ich muss man genauer hinschauen was ist denn das eigentlich hier ja und dann stellt sich oft heraus dass das gar nicht übereinstimmt mit der Realität und ich man muss genau hin schauen und und und mit anderen zusammen findet man schon mehr heraus man kann die Welt nicht aus Büchern allein lernen das geht ja nicht man muss hinschauen Aufmerksamkeit es gibt einen russischen Dichter manens mandelstamm IB mandelstamm und der hat gesagt das Wichtigste an an einem Dichter ist die Aufmerksamkeit fand ich sehr vernünftig ist ja gut als ich jetzt ihr jüngstes Buch gelesen habe Tumult ist mir aufgefallen wie viel sie gereist sind und von der Welt gesehen haben auch welche Türen sich für sie damals schon geöffnet haben hat das sozusagen ihrem Naturell entsprochen waren sie ein neugieriger junger ja das schon aber es gab eben auch es g g auch das Gefühl ich bis im Alter von 17 Jahren war ich in Deutschland eingesperrt also ich konnte ja gar nicht raus es gab keinen Pass es gab kein man konnte nicht einfach sagen morgen fahre ich jetzt nach Paris nach Paris kam ich nur mit dem Stiefeln als okupant und da war ich zu jung die konnten mich gar nicht ich war 16 17 am Schluss haben sie mir noch eine Uniform gegeben ja die Idioten aber ich wollte nicht ich wollte nicht und dann war eben die Parole nichts wie raus hier also Klaustrophobie eine Klaustrophobie im eigenen Land und du musstest hier weg und dann hat man ein paar Sprachen gelernt und dann ist man dahin gegangen und man hatte kein Geld das macht auch nichts man kann auch ohne Geld man kann trempen man kann irgendwie macht doch nichts aber raus hier und das war ganz wichtig und seitdem das war auch eine Art äh weil man sieht dann das eigene Land anders wenn man weg war und man sieht einige Sachen schärfer und andere Sachen es gibt auch so eine man kann sich aussöhnen auch mit dem eigenen Land man braucht nicht sein Leben lang so tun als wenn deutsch sein ist kein Beruf sage ich immer ist kein Beruf es gibt 1us andere Sachen in der Welt wo es nicht drauf ankommt ob du Deutsch bist oder nicht deutsch bist das ist auch eine Obsession und so gilt für anderen auch ich meine ich wenn man nur Franzose ist das ist auch nicht so gut und sollte nicht pluripatriotismus bin ich für den pluri Patriotismus ich bin ein bisschen norwegischer Patriot hab da 7 Jahre gelebt bin ein spanischer Patriot und so weiter man muss es verteilen dann ist es auch nicht mehr so gefährlich kann ich verstehen wenn sie sagen wir wollten raus und sagen dann Frankreich aber sie sind ja auch in die andere Himmelsrichtung gereist in die Sowjetunion in den damaligen Ostblock hat haben sie diese Reisen auch sozusagen immun gemacht gegen die Ismen dieser Welt na ja nein es war ja so dass ich komme sozusagen also komme aus einer sogenannten Linken t und das war ursprünglich in in im Adenauer Deutschland war das fast ein bisschen verboten ne und hab dann Marx damals studiert und so weiter und dann habe ich gesagt ja gut es ist alles schön und gut wunderbar der schreibt sehr gut dieser Marx der ist ein sehr intelligenter Mann aber jetzt will ich mal selber sehen ich kann es ja nicht aus Büchern ich bin doch kein seminarmarxist bin ich nicht also hingehen und selber selber schauen und da war ich in all diesen Ländern ich habe mir das genau studiert ich war ein Jahr in Kuba ich war in ich war in Bulgarien weiß nicht du hast in Jugoslawien habe ich mir alles selber angeschaut und habe dann eben festgestellt dass das nicht funktioniert und hab die versucht zu verstehen warum das nicht funktioniert und hab dann wunderbare Freunde dort gefunden die auch mit denen man auch offen sprechen kann und da habe ich etwas kapiert man man kapiert ja nie genug aber ein bisschen was kann man schon kann man schon kapieren kostet ein bisschen Zeit ist auch lustig was äh mir im Laufe der Jahre aufgefallen ist das mag Zufall sein oder nicht das ist dann die Frage ähm dass sie ein feines Gespür für Entwicklung haben sie haben ja frühzeitig ein Buch geschrieben wovon Ossis und Wessis die Rede haben über Migration geschrieben über den Bürgerkrieg geschrieben glauben sie dass in Anführungsstrichen unsere intellektuellen also Schriftsteller Philosophen da ein ausgeprägteres Gespür haben solche Entwicklungen früher wahrnehmen weiß ich nicht es gibt solche und solche es gibt auch es gibt z. B äh fixierte Menschen die auf irgendwas fixiert sind die können da nicht weg das ist auch ein Temperament ich meine der eigensinnige hamsin der war ja fixiert der war ein großer Mann ich bewundere ihn aber ich möchte nicht mit mit seiner Gedankenwelt könnte ich nicht gut umgehen und so weiter also nein das ist eine Frage der Antennen der eine hat diese Antenne für das der eine hat für Insekten der versteht über Schmetterlinge Nabokov war leptirologe der war ein schmetterlingsforscher der war nicht nur ein guter Schriftsteller sonder der hatte diese der hatte diese Fähigkeit dieses Sensorium hatte dieses Gefühl dafür den Geschmack die die Oberfläche von einem Schmetterlingsflügel da war verliebt verliebt ja gut das da hat er Antennen dafür und für andere Sachen hat er keine Antenne welche Antenne ist bei ihnen denn besonders ausgeprägt und welche vielleicht nicht so ja z.
B bin ich eben das hat auch Defizite weil z. B es gibt Grenzen der soziabilität der Gesellschaftlichkeit also z. B wenn da zu viele Menschen sind ist mir unwohl ich kann z.
B nicht in einem fußballpiel zuschauen weil das eine Massenversammlung von trenden Menschen ist und da habe ich einen Fluchtreflex also das sind auch Nachteile damit verbunden ich habe z. B ein kleines Problem mit Institutionen ich möchte nicht Präsident von irgendwas möchte ich nicht gerne sein weil das da muss man Sitzungen und und und Statuten und sowas die muss man formalisieren und Institutionen sind notwendig ich verstehe dass die notwendig sind aber ich möchte eine gewisse Distanz zu dieser Institution haben ich möchte da nicht in die Kommission deswegen war ich nie in der Universität weil da gibt es da muss man grämien gibt es in den Universitäten D muss man da sein da gibt die Kommission für die Neubesetzung des Lehrstuhls und so weiter und so weiter und jede jede Institution hat solche hat solche Pflichten und ich bin auch ein ich bin natürlich auch ein bisschen ein unzuverlässiger man muss zuverlässig sein man muss zuverlässig sein und das ist schwer wir haben als Gesellschaft ja an unsere intellektuellen immer besondere Erwartung wenn ein Afghanistan Krieg ausbricht dann möchten wir gern hören was ja h Marus ensenberger dazu zu sagen nein ist ja Unsinn weil intellektuell istind auch nicht klüger als andere Menschen es gibt auch dumme intellektuelle das muss man doch das sieht man doch braucht man nur eine Zeitung zu öffn sieht man es gibt auch prätentiöse die eigentlich keine Ahnung haben aber über alles die italienische in italienen gibt es den Ausdruck man sagt von jemand er ist tutologo das ist ein alles ein alles Wissenschaftler der ist der ist für alles zuständig und den kann man anrufen ist gut für die Zeitungen man kann den alles Wisser anrufen doch praktisch etwas was mit ihren Reisen und vielleicht auch ihrer Neugier zusammen hängt sie haben ja auch als Verleger und als Übersetzer unglaublich viel ausländische Literatur nach Deutschland gebracht auch ihre frühe poesiesammlung von Gedichten unserer Zeit sie viel übersetzt haben das ist das muss man sagen das ist vielleicht auch ein bisschen eine Tradition in Deutschland da bin ich ja gar nicht der Einzel sondern die haben wenn man so z.