Ich schreibe das nicht für dich. Ich schreibe es, damit ich nicht vergesse. Die Benality ist laut.
Sie redet in Formularen, in Benachrichtigungen, in To-Do Listen, die nie fertig werden und deshalb nie anfangen. Sie riechen nach Toner und kaltem Kaffee. Sie ist das Klick, wenn du auf "Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen" drückst, obwohl die Bedingungen gerade dich lesen.
Sie ist ordentlich, fleißig, passivgierig. Ich antworte leise, mit einer Laterne in der Tasche, die eigentlich zu klein ist, mit einem Knoten in einer Schnur, mit einem Lächeln, das nicht dafür gemacht ist, etwas zu verkaufen. Ich bin Mira Bogen.
Ich esse zu viel Brot, wenn ich nervös bin und weine bei alten Dokumentationen, wenn jemand unerwartet freundlich ist. In der Menschenhaut trage ich Parker und Handschuhe ohne Finger. In der Famin bin ich breiter, wärmer.
Meine Hände haben mehr Linien und die Augen mehr Licht. Ich rieche nach Zimt, sagt Sonja, aber sie ist Puk und lügt gern, um die Welt erträglicher zu machen. Einmal war ich nur ein Mensch, dann kam die Crystalis wie ein zu spät gemerkter Atemzug.
Ich stand an einer Ampel, es war November und ein Fuchs wartete auf grün. Er sah mich an und alles, was in mir still war, bewegte sich. Später lernte ich die Wörter für das was danach geschah.
Changeling way, Kith, Draming, Glammer, Benality, Baalefire, Freeold, Herbstmenschen, Dawuntim. Wörter, die wie Schlüssel sind. Sie sperren dich ein und auf zugleich.
Ich schreibe das hier, weil heute Nacht eine Frau an der Station Kotbusator beinahe in der Crystalis erstickt wäre, weil drei Herbstmenschen, freundlich, sachlich, effizient bereit standen, ihr einen Stift zu reichen, bevor sie überhaupt begriff, was sie da unterschrieb, weil das Draming dünner ist als früher und weil wir trotzdem noch über diese dünne Stelle gehen, als wäre sie eine Brücke. Wir nennen unseren Freeold den Spati, obwohl er keiner ist. Er liegt hinter einer vernagelten Tür in einem Hinterhof in Neuköln, durch die man nur kommt, wenn man nichts Besonderes denkt und dabei etwas Besonderes meint.
Unten im Keller steht eine Gitterlaterne mit Milchglas und vernabbtem Eisen. In ihr ruht unser Balefire. Ein Atem, der warm ist wie Brot am Morgen.
Es brennt nicht heiß, es brennt nah. Wenn du zu nah herangehst, hörst du keine Flammen, sondern die Stimmen der Dinge, die an Geschichten glauben. Heute Abend waren wir zu fünft.
Kai Ski mit Wangenknochen wie gemählte Bögen und Augen, die gut wissen, wie man Abschiede entgegennimmt. Sonja Puka, die ihre Haare trägt, als lauschten sie auf Wetter, das niemand anderes spürt. Efe Troll.
So still wie ein dampfender Tee, der niemand weh tut, aber alle wachhält. Jaro Nocker mit einer Sprache, die schneller ist als seine Hände, was bedeutet, dass beides sehr schnell ist. Und ich mit der Thermoskanne und den Knöpfen und dem Schimmer, der mir manchmal überläuft.
Die Silhöfe hatten heute getagt, was bei uns bedeutet, Kai erklärte, warum Hoffnung kein Luxus sei. Sonja widersprach mit einer Wahrheit, die sich als Scherz auszog. Ewe legte eine Hand auf den Tisch und der Tisch hörte auf zu wackeln.
Die Ansili unter uns Sonja, manchmal Jaro, wenn er zu lange geschlafen hat. Lächeln dann schief. Ich bin Sili in diesem Halbjahr.
Man wechselt, wenn man ehrlich ist, saisonal Bäume. Das ist kein Verrat. Es ist nur eine andere Art zu sagen, ich bin heute anders als gestern und morgen werde ich wieder ein bisschen sterben und wieder aufstehen.
Ich war gerade dabei aus Brotrinden Fische zu schneiden. Frag nicht, das ist so ein Bockending. Da spürte ich es.
Ein Zucken am Rand des Hörens. Ein schmaler Ton wie eine Nadel, die über eine Schallplatte streicht, die niemand aufgelegt hatte. Manchmal wie ein Geruch, der aus dem Nichts ist.
Manchmal wie ein Lied, das man halb kennt. Ich legte das Messer ab und sah Sonja an. Sie hatte denselben Blick wie immer, wenn sie vorgeben wollte, überrascht zu sein, aber längst wusste, dass es kommt.
Cotty sagte sie und stand schon U-Bahn Gleis 3. Jemand hat einen Satz zu Ende gedacht, der nicht hätte zu Ende gedacht werden sollen. Herbstmenschen?
Fragte Kai. Riecht nach laminiertem, sagte Jaro nach Übergabeprotokoll. Efe nickte, nahm die lange schwere Taschenlampe, die keine ist, und hob sie sich auf die Schulter, als trüge sie eine kleine Säule.
Ich stopfte die Thermoskanne in meine Tasche, warf Knöpfe dazu, die Hände von anderen gehalten hatten, legte einen rostigen Schlüssel hinein, der keine Tür mehr öffnet, aber den Mut in der Jackentasche warm hält. Kein nahm seine Geige, aber nur die Hälfte davon. Die andere Hälfte ließ er am Feuer, damit sie weiterspielte, wenn niemand da war.
Drußen war die Luft so kalt, daß sie den Atem an den Zähnen stopfen wollte. Die Stadt roch nach Metall und gebratenen Zwiebeln. Sonja ging voran, weil Pukas das so tun, als führten sie niemanden und genau deshalb folgten ihnen so viele.
Wir kamen am Kotti an und die Menschen waren unruhig wie Fisch in einem Becken, indem jemand zu schnell das Wasser gewechselt hatte. Ich sah sie doppelt, einmal als Menschen, einmal als Figuren in einem Theater, dessen Kulissen aus Streckmetall und Neon bestanden. Schimären huschten über den Boden, hungrig nach Geschichten, die noch nicht begonnen hatten.
Sie stand am Ende des Bahnsteigs, die Frau 18, vielleicht 2 Jahre älter, 2 Jahre jünger. Menschenalterszahlen sind ungenau. Ihre Hände zitterten, aber nicht vor Kälte.
Um sie herum war die Luft dichter, als zielte sie den Atem an. An ihrem Hals hing ein Chip, eine dieser Schlüsselmarkten, mit denen man Fahrradräume öffnet oder Waschsalons. Sie drehte ihn zwischen den Fingern, als wollte sie hören, ob er ein Wort hat.
Die drei standen in einem halbmondförmigen Abstand vor ihr. Ich nenne sie Herbstmenschen, weil Beamte unhöflich wäre und Jäger zu romantisch. Sie trugen keine Uniform, nur ein Einverständnis in ihren Körpern, dass man mit Training verwechseln könne.
Der linke hatte den Blick eines Mannes, der nie vergiss rückwärts zu zählen. Der Rechte hielt eine Mappe unter dem Arm, in der die Ecken schon abgenutzt waren. Man kann Ecken abnutzen an Dingen, an denen man sich festhält.
Der Drtte lächelte und sein Lächeln war so sanft wie ein Formular, das keine Fragen offen lässt. Frau weiß", sagte er und machte eine kleine Geste mit der Hand, als würde er einen Vogel freilassen, den er nie gefangen hatte. "Nur ein Moment, ein paar Informationen.
Es würde uns sehr helfen, ihn auch. " Die Frau atmete nicht, oder vielleicht atmete sie nur nach innen, als wäre sie schon unter Wasser. Die Luft über ihren Kopf flackerte, nicht für die Augen der Passanten, sondern für uns.
Ich sah, wie ihre Haare in einer anderen Schicht glänzten, wie nasse Seide. Ich hörte das Knacken eines Eises, das nicht existierte und roch Salz in einer Station, die noch nie ein Meer gesehen hatte. Selki, murmelte Kai.
Noch nicht, sagte Sonja. Noch ist sie am Ufer. Die Herbstmenschen rückten näher.
Ihre Mappe raschelten wie Blätter, die nicht in den Herbst gehören. Ich spürte die Benality, wie man Zugluft spürt. Nicht schlimm, aber sie macht die Knochen langsam kalt.
Entschuldigen Sie, sagte ich, obwohl meine Stimme klein war. Vielleicht später. Sie hat gerade einen anderen Termin.
Der Mann mit dem Lächeln drehte sich zu mir, als hätte er mich schon die ganze Zeit gesehen. Es geht schnell, nur eine Unterschrift. Wir machen es ihr leichter.
Leichter ist nicht immer besser, sagte Sonja und grinste so breit, dass man ihr nicht ansah, wie angespannt ihre Hände waren. Die Frau weiß, hatten sie gesagt, machte einen Schritt zurück. Das Flackern über ihr wurde stärker, als würde einen Vorhang reißen wollen.
Ihre Augen weiteten sich und für einen Moment sah ich in ihnen Seegras, das sich in Strömungen wiegt. Efe trat vor, stellte sich so hin, dass er nicht blockierte, aber auch nicht wich. "Bitte", sagte er, "un und sein Bitte war wie ein Türrahmen, der nicht nachgibt, egal wie sehr man dagegen drückte.
" Die Herbstmenschen zögerten. Vielleicht waren sie es gewohnt, dass niemand widersprach. Vielleicht spürten sie das Bale Feier in unseren Stimmen.
Der mit der Mappe zog die Stirn Kraus, als müsste er eine Vorschrift neu buchstabieren. Kai hob seine halbe Geige und strich eine Seite, die kein Geräusch machte. Und doch vibrierte die Luft und für einen Augenblick hörten alle auf zu sprechen.
Das reichte. Die Frau schnappte nach Luft, als hätte sie zum ersten Mal verstanden, dass sie welche brauchte. Sie taumelte und Sonja war bei ihr, hielt ihre Hand, flüsterte etwas, das gleichzeitig beruhigen und völlig verrückt klang.
Ich sah, wie ihre Haut zu glänzen begann, feucht wie Schuppen, und wie sich ein unsichtbares Fell über ihre Schultern legte. Die Herbstmenschen traten zurück. Nicht viel, nur ein halber Schritt, aber genug, dass der Kreis brach.
"Wir sind nicht hier, um Ärger zu machen, sagte der, der lächelte. Wir wollen nur helfen. " "Dann helfen Sie, indem Sie gehen", sagte ich und wunderte mich, wie fest meine Stimme klang.
Sie sahen uns an, musterten uns, als könnten sie berechnen, ob wir uns lohnten. Dann drehten sie sich gleichzeitig um und gingen so ordentlich, dass ihre Schritte fast und Kron waren. Die Frau sank auf die Bank.
Ihr Atem kam in schnellen Stößen. Sonja hielt sie. Kai kniete sich hin.
Efe stellte die Taschenlampe neben sich, als wäre sie ein Altarlicht. Jaro fluchte leise, aber seine Hände waren so sanft, als er ihr den Chip vom Hals nahm und in seine Tasche steckte. Willkommen", sagte ich.
Ich weiß, das ist viel, aber du bist nicht allein. Sie sah mich an und in ihren Augen lag noch immer das Meer. Wir erklärten die Dinge, die man erklären muss, ohne sie zu zerpflücken, dass es Höfe gibt, Zieli und Anzielili, Jahreszeiten in uns, die sich abwechseln, ob wir wollen oder nicht, dass es Kiffs gibt und keines besser ist als das andere, nur anders scharf, anders weich, das Glämmer nicht Kunst ist, sondern die Art, wie Kunst atmet, dass Benality nicht langweilig ist, sondern geordnet bis zum Erstickungspunkt, dass Badlem der Rand ist, an denen man kommt, wenn man zu lange nur noch ins Licht starrt.
Das Dawten die sind, die geträumt haben und dann beschlossen, den Traum zu verbrennen, damit keiner mehr friert. Dass Herbstmenschen kein Verein sind, sondern eine Richtung. Marlin, so hieß sie, erfuhr ich, hörte zu, als wäre zuhören eine Tätigkeit, die im Rücken warm wird.
Sie stellte Fragen, nicht viele. Gerade genug, dass wir merkten, wie ihr Verstand sich anfreundete mit Dingen, die nicht in Schubladen passten. Ich zeigte ihr die Kiste mit den Dingen, die Geschichten tragen.
Knöpfe aus Tagen, die zu kurz waren, Fahrkarten, auf denen eine Weiche falsch abbog, Zettel, auf denen Kinderbuchstaben geangelt haben, wie kleine Fische. Ein Stück Kreide, in dem die Erinnerung einer Tafel steckt. Sie roch daran, lachte einmal, weinte nicht.
Manche tun das, andere brauchen Zeit, die wir haben und nicht haben. Später, als sie schlief, Selkies schlafen gerollt, als würden sie sich noch ans Fell gewöhnen, saßen wir um das Balefire. Kai strich über Seiten, die nicht klangen und trotzdem hörte ich den Ton.
Sonja legte die Füße auf meine Knie und tat so, als würde sie schnurren. Efeel pflückte einen Nagel aus der Tischkante und machte ihn gerade, ohne ihn anzufassen. Jaro fluchte leise über eine Schraube, die lügen konnte.
"Sie kommen wieder", sagte ich in die Wärme hinein. "Nicht heute, aber sie kommen wieder. " "Sie kommen immer", sagte Kai.
"Wir auch. " Ich habe Angst", sagte ich unüberraschend. "Ich sage das oft.
Es hilft gegen das Missverständnis. Mut habe etwas mit mangelnder Fantasie zu tun. " "Du bist Ziel in diesem Halbjahr", sagte Sonja.
"Du darfst Angst haben und trotzdem nett sein. Nächstes Halbjahr darfst du Angst haben und" Sie zuckte die Schultern. Mehr brennen.
E nickt. Kopf runter, Laterne hoch. Ich dachte an Jakob, den wir verloren hatten, an seine Stimme, die dumpfer wurde, als er unterschrieb, an die Art, wie er höflich blieb, nachdem er aufgehört hatte zu atmen wie jemand, der Luft will.
An die Herbstmenschen, die nicht böse sind, nur konsequent. An die Danten, die böse sind, weil sie konsequenter sind als wir. An Bedlem, das wie Puderzucker anfängt, hübsch und leise und wie Salz endet.
Ich will nicht vergessen, warum wir das tun, sagte ich. Wir tun es, weil wir sonst vergessen, sagte Kai. Wir tun es, weil wir nicht gewinnen müssen, um zu rechtfertigen, dass wir kämpfen, sagte Sonja.
Wir tun es, weil Brot ohne Kruste schlechter ist, sagte Jaro und ich lachte, obwohl es nicht lustig war. Ich legte Holz in die Laterne, obwohl sie keine braucht. Es ist ein Ritual.
Rituale sind Brücken, auf denen man rückwärts gehen kann, ohne zu fallen. Später ging ich nach oben auf den Hof. Berlin atmet kalt.
Über der Mauer hing ein Stück Himmel, das aussah, als hätte jemand mit Bleistift darüber gerubbelt. Ein Fuchs stand bei der Tür und wartete auf grün, höflich wie immer. Er sah mich an.
In seinen Augen spiegelten sich zwei Lichter. Das vom Hof, das vom Keller. Ich hob die Hand.
Er nickte. Wir haben eine Abwachung. Alte Art.
Ich dachte daran, wie wir Dinge hängen. Laternen an Orte, an denen die Nacht zu tief fällt. Worte in Gesprächen, die sonst nur Fakten wären.
Blicke in Gesichter, die sonst nur Funktionen wären. Wir hängen sie höher, als wir glauben, dass wir können. Wir tragen sie weiter, als unsere Arme lang sind.
Wir geben sie weiter, wenn unsere Hände zittern. Wir nehmen sie zurück, wenn jemand anderes müde, Marin wird bleiben oder gehen. Sie ist nicht unsere.
Niemand ist unsere. Wir sind uns nicht einmal selbst. Wir gehören dem, was wir festhalten, solange es uns hält.
Morgen zeigen wir ihr die Spray bei Nacht, wo Wasser auf Licht tut, als sei es dasselbe. Wir bringen Brot für die Enden, die keine sind. Wir lauschen Schriften auf Brücken, die sich merkten, wer darüber gegangen und wer darunter ging.
Und wenn die Herbstmenschen wiederkommen mit Mappe, mit Lächeln, mit Rückwärtszählen, werden wir wieder höflich sein. Höflichkeit ist eine Waffe, wenn man sie mit Wärme führt. Wir werden wieder nicht argumentieren, sondern erzählen.
Wir werden Sie wieder daran erinnern, dass Ordnung ohne Staunen nur sauberer Staub ist. Manchmal blinzeln sie, manchmal nicht. Es sind viele von ihnen.
Wir sind auch viele. Nicht genug. Tolkin ist tot, sagt die Welt.
Steh auf und geh zur Arbeit. Ich stehe auf. Ich gehe zur Arbeit.
Ich hänge Laternen auf. Ich repariere Stühle. Ich koche Tee.
Ich halte Hände, die sich schämen, weil sie zittern. Ich binde Knoten in Schnüre, die reißen wollen. Ich lache, wenn es ungünstig ist.
Ich weine, wenn niemand guckt. Ich bin ein Changeling. Die Person, die das Klebeband hält, während der Rest der Welt sagt, das Klebeband unprofessionell ist.
Die Benality ist laut, ich flüstere weiter. Ich bin Mira, Bogen. Sili, dieses Halbjahr anzieli genug, das nächste zu überleben.
Ich liebe Brot und die Momente, in denen jemand einen Satz beginnt, von dem er nicht wusste, dass er ihn sagen kann. Ich trage eine Laterne in der Tasche. Ich kenne einen Fuchs, der auf grün wartet.
Ich habe einen Schlüssel, der nichts öffnet und alles zusammenhält. Das Draming ist dünn. Manchmal ist es nur eine Haut, die man nicht reißen kann, ohne zu bluten.
Manchmal ist es ein Ozean, der dich trägt, ob du willst oder nicht. Manchmal ist es ein Bahnhof, in dessen Nischen ein Selki geboren wird, während ein Mann mit einem netten Lächeln lernt, wie man nicht stört. Tolkin ist tot, aber die Träume sind es nicht.